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Established Relationship bezeichnet im BDSM eine bereits gefestigte, eingespielte Beziehung zwischen den beteiligten Personen, in der Rollen, Dynamiken, Vertrauen, Kommunikation und Bedürfnisse klar etabliert sind. Sie entsteht durch wiederholte gemeinsame Erfahrungen, stabile Absprachen und langfristig gewachsene emotionale oder dynamische Bindung.
Eine Established Relationship beschreibt im BDSM keine neue oder frisch begonnene Dynamik, sondern eine bereits gereifte, vertraute Verbindung zwischen Dominanten, Submissiven oder weiteren Rollenpartnern.
Im Unterschied zu casual play oder neuen Begegnungen, bei denen man sich erst kennenlernt, existieren in einer Established Relationship bereits klare Strukturen, etablierte Rituale, gewachsene emotionale Stabilität und belastbare Kommunikationswege.
Diese Form der Beziehung kann romantisch, partnerschaftlich, rein dynamisch oder polyamor sein — entscheidend ist nicht die Form, sondern der Grad an Stabilität und Vertrautheit zwischen den Beteiligten.
SSC – Safe, Sane, Consensual
Stabilität bildet die Grundlage für sichere Sessions.
RACK – Risk Aware Consensual Kink
Höhere Risikopraktiken werden erst möglich, wenn Vertrauen über Zeit aufgebaut wurde.
Dauerhafter Konsens
Einvernehmlichkeit besteht nicht automatisch — sie muss wiederholt bestätigt werden.
Metakonsens
Besonders wichtig bei emotional sensiblen Rollensystemen.
Verantwortung & Pflege
In gefestigten Dynamiken steigt die Verantwortung beider Seiten.
Transparenz
Veränderungen in Wünschen oder psychischer Lage müssen offen kommuniziert werden.
Aftercare als Ritual
Gerade in etablierten Beziehungen wird Aftercare oft tiefer und individueller.
Obwohl eine etablierte Beziehung Sicherheit bietet, entstehen auch Risiken:
Routine kann Grenzen unsichtbar machen: „Wir kennen uns ja gut“ ist gefährlich.
Emotionale Abhängigkeit: Besonders bei submissiven Rollen möglich.
Überforderung durch Vertrauensvorschuss: Nur weil man sich kennt, heißt das nicht, dass alles erlaubt ist.
Rollenverfestigung: Schwierigkeiten, Dynamiken zu ändern, wenn Bedürfnisse sich wandeln.
Blind Spots: Warnsignale können übersehen werden, weil man zu vertraut ist.
Machtmissbrauch: In intensiven Dynamiken müssen Machtverhältnisse immer reflektiert bleiben.
Daher gilt:
weiterhin klare Grenzen pflegen
Aftercare niemals vernachlässigen
auch in langjährigen Dynamiken regelmäßig neu definieren, was beide wollen
nie annehmen, dass etwas „immer“ okay ist
Eine Established Relationship macht BDSM sicherer — aber nur, wenn sie bewusst gepflegt wird.
Eine Established Relationship basiert primär auf Ritualen und Dynamik, dennoch können folgende Dinge typisch sein:
Rituelle Gegenstände:
Halsband, Kette, Ring, Armband
sichtbare oder private Symbole der Rolle
Besitzzeichen (Collar)
Regelstrukturen:
schriftliche Regeln
Aufgabenlisten
Kommunikationsrichtlinien
Ausrüstung für wiederkehrende Szenen:
Fesseln, Bondage-Equipment
Geräte für Impact Play oder andere etablierte Vorlieben
Kleidung für Rollen
Organisatorische Tools:
Journals
Check-in-Pläne
digitale Notizen für Regeln & Rituale
Ausrüstung hängt von der individuellen Dynamik ab: Manche nutzen viel, andere kaum etwas.
Dauer/Intensität
Dauer: Oft auf Langfristigkeit ausgelegt, teilweise über Jahre hinweg
Intensität: Von partiellen Dynamiken (z. B. nur während Sessions) bis hin zu 24/7-Lebensstilen, in denen die Rollen ständig präsent sind
Eignung
Geeignet für: Menschen mit dem Wunsch nach tiefer Verbindung, klaren Rollenverhältnissen, Ritualen und emotionaler Nähe.
Weniger geeignet für: Personen, die nur an gelegentlichen Spielszenarien oder rein physischer Interaktion interessiert sind.
Vorbereitung
Offene Kommunikation: Erwartungen, Grenzen, Bedürfnisse und Ängste klären
Vertrag oder Rollenklärung: Festlegen, wer welche Rolle übernimmt, in welchem Umfang und mit welchen Rechten/Pflichten
Langsame Entwicklung: Dynamiken können wachsen, sollten aber nicht überstürzt werden
Regelmäßige Reflexion: Beziehung regelmäßig auf Belastbarkeit, Zufriedenheit und Entwicklungspotenzial prüfen
Aftercare
Regelmäßige Check-ins, auch außerhalb von Sessions
Emotionale Begleitung bei Rollenkonflikten, Lebensveränderungen oder psychischen Belastungen
Anpassung der Dynamik: Beziehung darf sich verändern – Rollen müssen nicht starr sein
Sicherheitshinweise
Auch in etablierten Beziehungen darf Konsens nie als selbstverständlich gelten
Machtgefälle dürfen nicht zum Schweigen führen – Kommunikation bleibt zentral
Bei psychischer Belastung oder Unsicherheit: Externe Unterstützung (z. B. Paartherapie, BDSM-Beratung)
In der Praxis zeigt sich eine Established Relationship u. a. durch:
Etablierte Rollen (z. B. feste Dominanz-/Submissionsdynamik)
Rituale: Begrüßungsrituale, Präsentationspositionen, Leitlinien
Regelbasiertes Miteinander: Tages- oder Wochenregeln, Aufgaben, Kommunikationsstrukturen
Vertieftes Vertrauen: komplexere Szenen sind möglich, da Reaktionen bekannt sind
Effektive Konfliktlösung: Probleme werden nicht verdrängt, sondern gemeinsam bearbeitet
Stabile Aftercare-Routinen: regelmäßige emotionale Versorgung nach Sessions
Zu einer Established Relationship gehört oft:
eine laufende Weiterentwicklung
regelmäßige Check-ins
offene Kommunikation über veränderte Bedürfnisse oder Grenzen
stetige Anpassung, weil Menschen und Dynamiken wachsen
Sie eignet sich besonders für intensivere BDSM-Rollen, die langfristige Bindungen voraussetzen (Master/slave, Owner/pet, 24/7-Dynamiken, strukturelle O/ S-Systeme).
Empfohlene Literatur:
Sprachlicher Ursprung (Allgemeinenglisch, vor dem BDSM)
„Established relationship“ bedeutet im Englischen schlicht:
„eine etablierte, gefestigte, bereits bestehende Beziehung“
Der Begriff wird seit Jahrzehnten verwendet in:
Soziologie
Psychologie
Paarforschung
Alltagsenglisch
Damit ist der Begriff älter als BDSM und ursprünglich nicht sexualisiert.
Gebrauch in Forschung & Recht (1960er–1990er)
In der Paarforschung und in juristischen Kontexten wurde „established relationship“ benutzt für:
Paare, die seit längerem zusammen sind
stabile Partnerschaften
Beziehungen mit gemeinsamem Haushalt
langfristige Bindungen
Der Begriff wurde benutzt, um eingespielte Partnerschaften von „new relationships“, „casual encounters“ oder „new partners“ zu unterscheiden.
Noch kein BDSM-Bezug.
Übernahme durch die BDSM-Community (1990er–2000er)
Mit dem Aufkommen strukturierter BDSM-Dynamiken (SSC, RACK, D/s-Modelle, TPE) entstand der Bedarf, zwischen spontanen Begegnungen und bestehenden D/s-Beziehungen zu unterscheiden.
In englischsprachigen Szene-Foren tauchte der Begriff erstmals in diesem Kontext auf:
„established D/s relationship“
„established Master/slave dynamic“
„established power exchange relationship“
Er wurde genutzt, um auszudrücken:
Diese D/s-Beziehung besteht schon länger und basiert auf Vertrauen, geteilten Regeln und Erfahrung.
Es handelt sich nicht um ein spontanes, neues oder unsicheres Power Exchange.
Damit wurde der Begriff funktional wichtig.
Warum die Szene den Begriff übernommen hat
In D/s-Strukturen gibt es deutliche Unterschiede zwischen:
einer neuen Machtbeziehung
einer etablierten, also eingespielten Machtbeziehung
Eine „established relationship“ bedeutet innerhalb von BDSM:
tieferes Vertrauen
lang erprobte Grenzen
gefestigte Rituale
größere Stabilität
weniger Risiko
intensivere Dynamiken (z. B. TPE, 24/7, langfristige Rollenkonzepte)
Die Szene brauchte daher ein Wort, das Reife und Stabilität ausdrückt.
Der vorhandene Begriff aus der Alltagssprache passte perfekt – und wurde übernommen.
Der Begriff im deutschsprachigen Raum
Deutschsprachige BDSM-Kreise haben keine eigene Übersetzung entwickelt.
Es gab Versuche wie:
„etablierte Beziehung“
„eingespielte D/s-Beziehung“
„langjährige Machtbeziehung“
Doch der englische Originalbegriff setzt sich bis heute durch, weil er präziser und weiter verbreitet ist.
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