ENDORPHINE

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DEFINITION

Endorphine sind körpereigene Botenstoffe, die während intensiver BDSM-Erfahrungen wie Schmerz, Stress, Angst, Lust oder tiefer emotionaler Nähe freigesetzt werden. Sie erzeugen Wohlbefinden, Euphorie und können Schmerzempfinden stark reduzieren.

Endorphine gehören zu den sogenannten endogenen Opioiden, also körpereigenen Substanzen, die ähnlich wie Morphin wirken und an Opiatrezeptoren im Gehirn andocken. Ihr Zweck ist biologisch klar: Sie schützen den Körper vor Überlastung, ermöglichen Höchstleistungen und unterstützen psychische Belastbarkeit.

Der sogenannte "Endorphin-Rush" oder "Subspace" ist ein veränderter Bewusstseinszustand, in den submissive oder bottom-Positionierte durch intensive, oft schmerzhafte Reize geraten können. Auch Tops können durch Verantwortung, Dominanz oder Adrenalin ähnliche Effekte erleben.

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PRINZIPIEN

SSC – Safe, Sane, Consensual

Besonders relevant bei Endorphinen, da die Wahrnehmung sich stark verändern kann und Einvernehmlichkeit unbedingt im klaren, nüchternen Zustand vor der Session festgelegt sein muss.

RACK – Risk Aware Consensual Kink

Endorphinrausch kann Risiken verschleiern (Schmerz wird weniger wahrgenommen). Daher müssen beide Partner die Risiken bewusst, informiert und akzeptiert eingehen.

PRICK – Personal Responsibility Informed Consensual Kink

Jede beteiligte Person trägt Verantwortung für körperliche und emotionale Selbstfürsorge – gerade weil Endorphine zu Fehleinschätzungen führen können.

RISC – Risk-Informed, Supported Consent

Für Endorphinspiele sinnvoll, da hier oft starke emotionale Reaktionen auftreten. Das Einverständnis muss unterstützt, abgesichert und stabil sein.

Themenspezifische Prinzipien (Endorphine)

Prinzip der kontrollierten Intensität

Endorphine entstehen am zuverlässigsten bei ritualisierter, langsamer Steigerung.
Kein abruptes Eskalieren.

Prinzip der Wahrnehmungsverschiebung

Unter Endorphinen kann sub Schmerzen kaum realistisch einschätzen.
Top trägt daher die volle Verantwortung für die körperliche Sicherheit.

Prinzip der emotionalen Stabilität

Endorphine beeinflussen nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche.
Emotionale Sicherheit und Vertrauen sind Voraussetzung.

Prinzip der Nachsorgepflicht

Hohe Endorphinpeaks bedeuten fast immer einen späteren Drop.
Intensive Aftercare ist Teil des Spiels – nicht optional.

Prinzip des bewussten Ausstiegs

Der Übergang aus dem Endorphinrausch muss sanft erfolgen, um die körperliche und emotionale Stabilität zu halten.

RISIKEN

Endorphin-Crash: Nach dem High kann ein emotionales Tief folgen (vergleichbar mit einem „emotionalen Kater“).

Schmerzempfindung sinkt temporär: Kann dazu führen, dass körperliche Grenzen überschritten werden.

Fehleinschätzung der Situation: Unter Endorphin-Einfluss können Submissive z. B. ihre eigenen Grenzen schlechter wahrnehmen.

Abhängigkeitstendenzen: Wiederholter Drang nach dem „Kick“ (nicht im stofflichen Sinn, aber als Verhaltensmuster).

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Die Ausrüstung hängt davon ab, wie Endorphine ausgelöst werden sollen. Typische Tools, die sichere und kontrollierte Endorphinreaktionen begünstigen:

Impact-Werkzeuge

Endorphine werden oft durch wiederholte, rhythmische Schmerzreize aktiviert.
Geeignet sind u. a.:

  • Flogger (weiches bis hartes Material)

  • Paddles (Holz, Leder, Gummi)

  • Peitschen (Signalpeitschen, Bullwhips – nur für Erfahrene)

  • Cane / Rattanstock (intensiv → schnelle Endorphinwirkung)

Bondage- & Positionierungs-Ausrüstung

Lang anhaltende Positionen und Fixierung verstärken körperliche Reizverarbeitung:

  • Hand- & Fußfesseln

  • Bondage-Tau / Shibari-Seile

  • Spread Bars

  • Bett- oder Türfesselungen

Sinnesentzug / Sensorik

Endorphinwirkung steigt bei sensorischer Fokussierung:

  • Blindfolds

  • Kopfhörer / Ear Pads

  • Masken (ohne Atemeinschränkung!)

  • Körperumschließende Stoffe (Encasement-Light)

Körperkontroll-Elemente

Unterstützen psychische Spannung und damit Endorphinpeaks:

  • Kneeling Pads / Ritualunterlagen

  • Positionièrelemente (Kissen, Keile)

  • Knebel (nur mit nonverbalem Safesignal!)

Aftercare-Material

Da Endorphin-Drops häufig vorkommen:

  • weiche Decke oder Wärmedecke

  • stilles Wasser / warmes Getränk

  • Süßigkeiten / Traubenzucker

  • Lotion oder Pflegeöl

  • gemütliches Kissen / Hoodie / körpernahe Wärme

Sicherheitsausrüstung

Für zuverlässige Kontrolle:

  • Erste-Hilfe-Set

  • Schere zum schnellen Öffnen von Fesselmaterial

  • Handy griffbereit

  • Klingel oder nonverbales Safesignal

  • bei intensiven Sessions: eine informierte Vertrauensperson als Backup

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ANWENDUNGS INFORMATION

Dauer/Intensität

  • Wirkeintritt: Meist innerhalb weniger Minuten bei intensiver Reizung.

  • Dauer: Je nach Person und Reiz zwischen wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden.

  • Intensität: Hängt stark von individueller Konstitution, Stimmung, Hormonzustand und Kontext ab.

Eignung

  • Geeignet für: Menschen, die intensive Reize oder emotionale Zustände im BDSM bewusst erleben möchten.

  • Nicht geeignet für: Personen mit psychischer Instabilität, stark schwankender Stimmungslage oder fehlender Erfahrung im Umgang mit Nachwirkungen.

Vorbereitung

  • Aufklärung über mögliche Effekte vor der Session.

  • Langsames Herantasten an Reizintensität.

  • Sicherstellung, dass beide Partner den Endorphin-Zustand erkennen und entsprechend reagieren können.

Aftercare

  • Unbedingt notwendig nach Sessions mit hohem Endorphin-Level.

  • Mögliche Maßnahmen:

    • Kuscheln, Zudecken, Wasser trinken

    • Ruhige Umgebung schaffen

    • Gespräch über Empfindungen

    • Leichte Nahrung, Körperkontakt, Zuspruch

  • Langfristige Begleitung bei wiederkehrendem „Drop“

Gezielte Endorphinauslösung durch:

  • Impact Play (Flogger, Paddle, Peitschen)

  • Pain Play (Spanking, Warten, Nadelspiel – je nach Erfahrungslevel)

  • Bondage & Encasement

  • Rollenspiele mit Autorität & Hingabe

  • Rituale (Kneeling, Atemrhythmus, Mantra)

  • psychologische Spannung (Erwartungsaufbau, Kontrollverlustsimulation)

Worauf Top und sub achten sollten:

  • langsamer Start → Körper braucht Zeit, Endorphine aufzubauen

  • keine abrupten Extremsteigerungen

  • jederzeit auf Atmung, Motorik, Körpersignale achten

  • Session bewusst „ausklingen“ lassen (sanfter Abstieg)

  • Aftercare VORHER absprechen (wichtiger als bei anderen Themen)

  • Session abbrechen oder verlangsamen, wenn Anzeichen von Kreislaufproblemen, Zittern oder Orientierungslosigkeit auftreten.

  • Sub darf nicht allein gelassen werden – weder im High noch im Drop.

  • Körperliche Schäden können unbemerkt bleiben – Nachkontrolle ist wichtig.

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • „Das SM-Handbuch“ – Jay Wiseman
  • „Die Qual der Wahl“ – Matthias Grimme
  • „BDSM: Das Spiel mit der Macht“ – Felicity Jones
  • „Lust & Schmerz – Wege in den BDSM“ – Nina Sade
  • „SM-Leitfaden“ – Jörg Wilke
  • „SM 101: A Realistic Introduction“ – Jay Wiseman
  • „The New Topping Book“ – Easton & Hardy
  • „The New Bottoming Book“ – Easton & Hardy

URSPRUNG

Ursprung des Wortes außerhalb von BDSM: Neurobiologie (1970er)

Der Begriff Endorphin entstand in der medizinischen Forschung der 1970er-Jahre.

Er setzt sich zusammen aus:

  • endo (griechisch: „innen, innerlich“)

  • orphin (abgeleitet von „Morphin“)

Und bedeutet:
„körpereigene Morphine“

Die Entdeckung stammt aus der Schmerzforschung.
Wissenschaftler fanden heraus, dass der Körper selbst Opioide erzeugt, die:

  • Schmerzen reduzieren

  • Euphorie auslösen

  • Stress abfangen

  • Wohlbefinden verstärken

Endorphine wurden also rein medizinisch definiert, Jahrzehnte bevor BDSM ein breites Thema wurde.

Frühe Anwendung in Sport, Medizin, Psychologie (1980er–1990er)

Endorphine wurden schnell berühmt durch Begriffe wie:

  • „Runner’s High“

  • „Schmerz-Euphorie“

  • „Flow-Zustand“

  • „Belohnungscode des Gehirns“

Die Beschreibung war:
Durch starke körperliche Belastung werden Endorphine freigesetzt → Euphorie trotz Schmerz.

Diese Erkenntnis ist später direkt in BDSM übertragen worden.

Übernahme in die BDSM-Szene (1990er–2000er)

Als BDSM über Workshops, Foren, Bücher und medizinisches Wissen strukturierter wurde, suchte die Szene nach wissenschaftlichen Erklärungen für:

  • Schmerzlust

  • Subspace

  • Tranceähnliche Zustände

  • Euphorie nach Schmerz

  • emotionalen Crash (Drop)

  • das Bedürfnis nach Aftercare

Forscher, Autoren und BDSM-Aufklärer begannen, den medizinischen Begriff „Endorphine“ zu nutzen, um zu beschreiben, was im Körper passiert.

Wichtige Einflüsse:

  • SM-Handbücher der 1990er

  • amerikanische BDSM-Workshops

  • die deutsche SM-Szene, die wissenschaftliche Begrifflichkeit stark einband

  • die akademische Sexualforschung (z. B. Forschung zu Schmerzlust & Neurologie)

Damit wurde „Endorphine“ zu einem Standardbegriff in der BDSM-Sprache, aber:

Er wurde nicht in der Szene erfunden, sondern importiert.

Moderne Bedeutung im BDSM (ab 2000er)

Heute erklärt man viele BDSM-Phänomene über Endorphine:

  • Subspace → Endorphin+Adrenalin-Mischzustand

  • Pain Pleasure → körpereigene Opiate + Dopamin

  • Afterglow → Endorphine & Oxytocin

  • Drop → Endorphin-Abfall nach Session

Damit ist der Begriff ein fester Bestandteil von BDSM-Wissen geworden.

Kurz gesagt: Woher stammt der Begriff "Endorphine" im BDSM?

Ursprung:

Medizinische Forschung der 1970er (Neurobiologie, Schmerzforschung)

Ursprüngliche Bedeutung:

Körpereigene Opiate, die Schmerz dämpfen und Euphorie auslösen

Szenebegriff:

Ab den 1990ern übernommen, um Subspace, Schmerzlust und emotionale Reaktionen zu erklären

Heute:

Ein wissenschaftlicher Schlüsselbegriff für das Verständnis intensiver BDSM-Erfahrungen

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