TOPDROP

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DEFINITION

Topdrop bezeichnet einen emotionalen oder körperlichen Tiefpunkt, den eine dominante oder führende Person (Top, Dom, Switch in Top-Rolle) nach einer BDSM-Session erleben kann. Ähnlich wie beim bekannten Subdrop kann es zu Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Leeregefühl, Selbstzweifeln oder Schuldgefühlen kommen – teils ausgelöst durch hormonelle Veränderungen, mentale Überforderung oder das emotionale Nachwirken intensiver Szenen.

Topdrops sind normal und nicht pathologisch, werden jedoch seltener thematisiert als Subdrops, da sie nicht ins dominante Rollenbild zu passen scheinen – was zur zusätzlichen Belastung führen kann.

Auf der Suche nach gleichgesinnten oder weiterführenden Austausch?

PRINZIPIEN

SSC – Safe, Sane, Consensual

Auch dominanten Personen muss bewusst sein, dass sie psychisch nachhallen können. Sichere und verantwortungsvolle Vorbereitung verringert die Wahrscheinlichkeit eines instabilen Drop-Zustands.

RACK – Risk Aware Consensual Kink

Dominante Personen tragen Verantwortung für Risiken. Der damit verbundene Druck ist ein Faktor, der Top-Drop fördern kann.

PRICK

Sowohl Tops als auch Subs sollten transparent kommunizieren, was sie brauchen. Tops tragen Verantwortung, dürfen aber dennoch emotionale Bedürfnisse zeigen.

RISC

Reflektierter Umgang mit eigenen Triggern und Selbstzweifeln, besonders bei Szenen mit hoher psychologischer Tiefe.

RISIKEN

Top-Drop kann zu riskanten Fehleinschätzungen führen, wenn er nicht erkannt wird. Mögliche Risiken sind:

Emotionale Risiken

  • Selbstzweifel

  • Überforderung

  • Schuldgefühle

  • Scham

  • das Gefühl, versagt zu haben

  • Angst, zukünftige Sessions durchzuführen

Körperliche Risiken

  • Kopfschmerzen

  • Kreislaufprobleme

  • Zittern

  • plötzliches Erschöpfungsgefühl

Gefährlich wird Top-Drop dann, wenn:

  • keine Kommunikation stattfindet

  • der Top seine Gefühle verdrängt

  • der Sub denkt, er hätte etwas falsch gemacht

  • beide Parteien ohne Nachsorge auseinandergehen

Top-Drop sollte offen angesprochen werden – am besten schon im Vorfeld.

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Top-Drop selbst benötigt keine spezielle Ausrüstung, aber folgende Dinge unterstützen Nachsorge und emotionales Abklingen:

  • warme Getränke

  • Snacks

  • Decke oder Ruhezone

  • Kommunikationsgerät (für Nachkontakt)

  • Notizbuch für kurze Session-Reflexion

  • vorbereitete Aftercare-Abläufe

  • ruhige Umgebung

  • ggf. Massageöl oder Entspannungsrituale

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ANWENDUNGS INFORMATION

Eignung

  • Topdrop kann bei allen Rollen auftreten, die während der Session die kontrollierende oder führende Position einnehmen – unabhängig vom Geschlecht oder Erfahrung

  • Häufiger bei:

    • Emotional fordernden Sessions

    • Ersterfahrung mit harter Bestrafung, CNC oder Sadismus

    • Verantwortungsvollen D/s-Dynamiken, in denen hohe emotionale Investition besteht

Vorbereitung

  • Emotionale Selbstreflexion vor der Session: Bin ich heute stabil genug für Verantwortung?

  • Klarer Rahmen und Einvernehmen mit dem Sub, um nachträgliche Unsicherheit zu reduzieren

  • Nachsorge auch für Tops mit einplanen

  • Realistische Erwartungen an sich selbst – Dominanz bedeutet nicht Unverwundbarkeit

Aftercare für Tops

  • Zuwendung durch den Sub (wenn abgesprochen) – z. B. gemeinsames Kuscheln, Lob, Danken

  • Gespräche führen: Was war gut? Was fühlte sich schwierig an?

  • Rückzug erlauben, wenn emotionale Verarbeitung gebraucht wird

  • Achtsamer Umgang mit Selbstkritik: Schuldgefühle sind normal, aber nicht immer begründet

  • Eventuell Tagebuch, Austausch mit anderen Tops oder Peer-Gruppen

Sicherheitshinweise

  • Nimm eigene Signale ernst – du musst nicht „funktionieren“

  • Lass dich nicht zu schnellen Revanche-Szenen hinreißen, um negative Gefühle zu verdrängen

  • Suche Austausch, wenn Topdrops häufig oder sehr intensiv auftreten

  • Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von emotionaler Reife, dies zu erkennen

Typische Symptome

  • Erschöpfung

  • Zweifel, ob man „gut genug“ war

  • Grübeln über die Session

  • emotionale Leere

  • Traurigkeit

  • Nervosität oder innerer Druck

  • verspätete Erkenntnis über eigene Überforderung

  • Rückzug oder der Wunsch nach Ruhe

  • körperliche Müdigkeit oder Zittern

Wann tritt Top-Drop auf?

  • nach der ersten Session mit einer neuen Person

  • nach Sessions, die riskanter waren (z. B. Impact Play, Deprivation, Edge-Play)

  • wenn große Verantwortung getragen wurde

  • wenn man die Grenzen der dominanten Rolle stark verkörpert hat

  • wenn der Sub emotional tiefer eingestiegen ist, als erwartet

  • wenn Unsicherheit oder Schamgefühle auftreten

Was hilft gegen Top-Drop?

  • bewusste Aftercare auch für die dominante Person

  • Austausch über Gefühle und Eindrücke

  • Bestätigung durch den Sub

  • Ruhe, Schlaf, Wärme

  • kleine Mahlzeit oder Zucker

  • ehrliche Kommunikation am nächsten Tag

  • Entlastung durch Perspektivwechsel („Wir haben das gut gemacht“)

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • Matthias Grimme: Das SM-Handbuch, Charon-Verlag
  • D.W. Pretorius: BDSM und emotionale Dynamiken, 2017
  • H. Molitor: Fetischwelten: Körper, Objekt und Erotik
  • Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction
  • Dossie Easton & Janet Hardy: The New Topping Book

URSPRUNG

Der Begriff „Topdrop“ entstand innerhalb der BDSM-Community, als bewusst wurde, dass auch dominante Personen intensive emotionale Reaktionen auf Sessions zeigen können. Besonders in Szenen mit emotionalem Tiefgang, Schmerzvergabe, Machtspielen oder Grenzerfahrungen ist ein nachträglicher emotionaler Einbruch möglich – nicht aus Schwäche, sondern als natürliche Reaktion auf Hormonabfall und psychische Spannungslösung.

Er entstand in den späten 1980ern in der US-Leder- und SM-Szene als Pendant zum SubDrop, um Symptome wie Erschöpfung, Zweifel oder hormonellen Abfall bei Tops zu benennen.  Seit den 2000ern ist er auch im deutschsprachigen Raum etabliert und gilt heute als international anerkannter Szenebegriff.

VERWANDTE BEGRIFFE

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