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Ein „BDSM-Absturz“, oft auch Sub-Drop oder Dom-Drop genannt, beschreibt einen emotionalen oder körperlichen Zustand, der nach einer intensiven BDSM-Session auftreten kann.
Absturz im BDSM beschreibt einen psychischen oder emotionalen Einbruch, der nach einer intensiven Session auftreten kann und oft unerwartet einsetzt. Der Begriff wird in der Szene verwendet, um den Moment zu beschreiben, in dem ein Sub oder auch ein Dom aus dem hochgeladenen emotionalen und hormonellen Zustand eines Spiels in eine Art Leere, Unsicherheit oder niedergeschlagene Stimmung fällt. Dieser Absturz ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers auf starke psychische, hormonelle und körperliche Belastung. Während der Session werden Endorphine, Adrenalin und andere Botenstoffe ausgeschüttet, die Lust, Schmerzbewältigung, Erregung und emotionale Intensität verstärken. Wenn diese Hormone nachlassen, fällt der Körper in einen Normalzustand zurück, der sich jedoch im Vergleich zur zuvor erlebten Höhe sehr niedrig anfühlen kann. Dieser Übergang kann als abrupt, verwirrend oder emotional belastend empfunden werden.
Der Absturz ist eng verwandt mit dem bekannten Subdrop, doch der Begriff Absturz wird in der BDSM-Community häufig breiter verwendet. Er beschreibt nicht nur die Erfahrung submissiver Partner, sondern auch die von dominanten Partnern. Während ein Sub häufig wegen Überreizung, intensiver Hingabe oder starker emotionaler Öffnung in einen Absturz geraten kann, erleben manche Doms nach einer Session einen emotionalen Absturz, weil sie Verantwortung getragen haben, sich stark konzentrieren mussten oder nach dem Ende der Session eine starke innere Leere empfinden. Ein Dom-Absturz kann genauso herausfordernd sein wie ein Sub-Absturz und wird in vielen BDSM-Kreisen noch immer zu wenig beachtet. Entscheidend ist, dass Absturz kein Fehler der Beteiligten ist, sondern ein natürlicher Teil intensiver BDSM-Dynamiken.
Die Ursachen eines Absturzes sind vielfältig. Eine der häufigsten ist hormonelle Dysregulation. Intensives Spiel, sei es durch Schmerz, Dominanz, Hingabe, Fesselung oder emotionale Überwältigung, führt zu einer starken Ausschüttung von Endorphinen und Adrenalin. Diese Stoffe erzeugen ein Gefühl von Euphorie, Stärke, Klarheit und körperlicher Belastbarkeit. Sobald die Session endet, sinkt der Hormonspiegel schnell ab. Dieser biologische „Crash“ kann zu Gefühlen von Traurigkeit, Gleichgültigkeit, Erschöpfung oder sogar Beklemmung führen. Manche beschreiben den Absturz als eine Art „emotionale Kälte“, andere als Nervosität, Überforderung, Scham oder Entfremdung. Wieder andere erleben Müdigkeit oder das Bedürfnis nach Ruhe. Ein Absturz kann Minuten nach der Session auftreten, aber auch Stunden oder sogar am nächsten Tag.
Neben hormonellen Ursachen können psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Während einer BDSM-Session öffnet sich der Sub oft emotional stark, gibt Kontrolle ab und lässt sich auf Rollen ein, die viel Vertrauen erfordern. Wenn diese intensive Nähe abrupt endet, können Unsicherheiten entstehen. Manche fragen sich, ob sie zu weit gegangen sind, ob sie genug waren oder ob sie ihren Partner zufriedengestellt haben. Auch können alte emotionale Muster berührt werden, die in der Session aktiv geworden sind. Ähnlich kann ein Dom nach einer Session darüber nachdenken, ob er zu streng war, genug Rücksicht genommen hat oder ob der Sub das Spiel wirklich genossen hat. Diese Nachfragen sind normal, können aber zum emotionalen Absturz beitragen.
Ein weiterer Auslöser ist ein unzureichendes Aftercare. Aftercare beschreibt die emotionale und körperliche Nachsorge nach einer intensiven Szene. Wenn Aftercare fehlt oder nicht der individuellen Person entspricht, kann der Absturz stärker ausfallen. Manche Subs brauchen körperliche Nähe, Wärme, beruhigende Worte oder klare Rückversicherung. Andere benötigen Ruhe, Wasser, leichte Berührung oder das Gefühl, weiterhin gehalten zu sein. Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, kann der Absturz tiefer und länger anhalten. Auch Doms profitieren von Aftercare, etwa durch gemeinsame Reflexion, positive Rückmeldung oder emotionale Bestätigung. Obwohl viele Doms ihre Rolle außen ruhig und kontrolliert wirken lassen, benötigen auch sie Zeit, um wieder in einen ausgeglichenen Zustand zurückzukehren.
Die Auswirkungen eines Absturzes sind individuell verschieden. Manche erleben nur eine leichte Traurigkeit, die schnell vergeht. Andere fallen in ein emotionales Loch, das Stunden oder Tage dauern kann. Manche werden gereizt, andere sensibel oder erschöpft. Wichtig ist zu erkennen, dass ein Absturz kein Zeichen von Fehlverhalten während der Session ist. Er bedeutet nicht, dass das Spiel falsch war oder dass einer der Partner etwas „kaputt gemacht“ hat. Vielmehr zeigt er, wie tief das Erleben war und wie stark Körper und Psyche reagiert haben.
Um einen Absturz zu vermeiden oder abzufedern, sind vorbereitende Absprachen essenziell. Beide Partner sollten wissen, wie intensiv die Session wird, welche emotionalen Reaktionen möglich sind und wie Aftercare gestaltet werden soll. Es hilft, klare Vereinbarungen zu treffen, wie man nach dem Spiel miteinander umgeht, wie man kommuniziert und welche Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Auch regelmäßige Check-ins am Tag nach der Session helfen, den Absturz frühzeitig zu erkennen und emotionale Unterstützung zu bieten. Für viele BDSM-Paare ist dies ein wichtiger Bestandteil der Beziehung, da es das Vertrauen stärkt und zeigt, dass BDSM nicht nur aus dem Spiel selbst besteht, sondern aus der gesamten emotionalen Verantwortung.
Abstürze treten häufiger auf, wenn Sessions besonders intensiv, lang oder emotional aufgeladen waren. Sessions mit Schmerzspielen, Atemkontrolle, Dominanzspielen, psychologischer Überwältigung oder tiefgehender Hingabe können die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Ebenso kann Stress, Schlafmangel oder eine instabile emotionale Ausgangssituation den Absturz verstärken. Manche Menschen sind auch einfach anfälliger für hormonelle Schwankungen. Das ist weder gut noch schlecht, sondern Teil der individuellen Reaktion des Körpers. Wichtig ist, die eigenen Muster zu kennen und offen darüber zu sprechen.
Zusammengefasst beschreibt Absturz im BDSM den emotionalen und psychischen Einbruch, der nach intensiven Sessions auftreten kann. Er ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf starke hormonelle, körperliche und psychische Belastung. Er betrifft sowohl Subs als auch Doms und ist kein Fehler, sondern ein Signal für den Bedarf an emotionaler und körperlicher Nachsorge. Gute Kommunikation, passende Aftercare und gegenseitiges Verständnis sind die wichtigsten Faktoren, um einen Absturz abzufedern und daraus sogar eine stärkere emotionale Verbindung entstehen zu lassen. Der Begriff ist fester Bestandteil der BDSM-Sprache und zeigt, wie komplex, tiefgehend und ganzheitlich BDSM erlebt werden kann.
Hormonelle Dynamik
Psychologische Faktoren
Symptome eines Drops
Hinweis
Nicht jeder hat einen Drop erlebt, aber er kann sowohl bei BDSM-Neulingen als auch bei erfahrenen Personen auftreten.
Risiken
Nachbehandlung
Vorbereitung
Langfristige Unterstützung
Anforderungen
Vorbereitung
Nachbehandlung
Wie lange dauert ein Drop?
Ein Drop kann wenige Stunden bis mehrere Tage dauern, abhängig von der Intensität der Session und der individuellen Verarbeitung.
Kann man einen Drop vollständig vermeiden?
Nicht immer, aber eine gute Vorbereitung und umfassende Nachsorge können die Intensität verringern.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einem Drop und schwerwiegenden psychischen Problemen?
Ein Drop klingt in der Regel nach angemessener Nachsorge und Zeit ab. Bleiben die Symptome bestehen oder verschlimmern sich, könnte professionelle Unterstützung notwendig sein.
Empfohlene Literatur
Der Begriff Absturz im BDSM entstand in den frühen 1990er-Jahren innerhalb englischsprachiger BDSM-Communities, die nach einer Bezeichnung für den emotionalen Einbruch suchten, den viele submissive und dominante Personen nach intensiven Sessions erlebten. Ursprünglich wurde das Phänomen als „crash“ oder „drop“ beschrieben, später differenzierten Spieler zwischen Subdrop, Domdrop und dem allgemeiner gefassten emotional crash. In deutschsprachigen BDSM-Kreisen etablierte sich der Begriff „Absturz“ als direkte Übersetzung des englischen „crash“ und wurde zunehmend als Oberbegriff für sämtliche emotionalen Nachwirkungen intensiver BDSM-Erlebnisse verwendet. Mit der wachsenden Verbreitung von Methoden wie Aftercare und Check-ins wurde der Absturz als wichtiger Bestandteil der BDSM-Psychologie anerkannt und ist heute ein zentraler Fachbegriff, der die hormonellen, psychologischen und sozialen Dimensionen intensiver Sessions beschreibt.
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