AMNESIA

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DEFINITION

Amnesia bezieht sich im BDSM-Kontext auf Rollenspiele oder Szenarien, bei denen Gedächtnisverlust oder das bewusste Vergessen bestimmter Erfahrungen thematisiert werden.

BESCHREIBUNG

Amnesia beschreibt einen Zustand oder eine bewusst herbeigeführte Situation, in der ein Teilnehmer Teile eines Erlebnisses, einer Session oder bestimmter Ereignisse nicht oder nur eingeschränkt erinnert. Der Begriff wird dabei nicht medizinisch im Sinne eines tatsächlichen Gedächtnisverlustes verwendet, sondern beschreibt vor allem psychologische Mechanismen, emotionale Intensität und die Wirkung bestimmter Dynamiken, die zu einer veränderten Erinnerung führen können. Viele submissive Personen berichten nach besonders intensiven Sessions von einem tranceähnlichen Zustand oder einem sogenannten Subspace, der Erinnerungen verblassen lässt oder bestimmte Momente nur bruchstückhaft verfügbar macht. Diese Form der Amnesia ist kein Zeichen mangelnder Aufmerksamkeit, sondern Ausdruck einer tiefen körperlich-psychischen Versenkung, die durch Endorphine, Adrenalin, Oxytocin und den Fokus auf die dominante Person ausgelöst wird. Auch dominante Personen können in einen Domspace geraten, der ähnlich wirkt und dazu führt, dass Details emotional statt rational erinnert werden.

In anderen Fällen bezieht sich Amnesia im BDSM auf ein bewusst inszeniertes Rollenspiel, bei dem eine Person vorgibt, sich an bestimmte Aspekte nicht zu erinnern, um Machtgefälle, Kontrolle oder Verwirrung erotisch zu verstärken. Solche Spiele basieren ausschließlich auf Einvernehmlichkeit und dürfen niemals mit tatsächlicher Manipulation, Gaslighting oder psychischer Gewalt verwechselt werden. In erotischen Rollenszenarien wird Amnesia genutzt, um Spannung aufzubauen, Unsicherheit zu erzeugen oder die Dynamik zwischen den Rollen gezielt zu intensivieren. Manche Paare arbeiten mit Ritualen, die den Übergang zwischen Alltagsbewusstsein und Rollenzustand verdeutlichen sollen. Dadurch entsteht eine Art psychologisches Reset, bei dem der Sub bewusst Teile der Realität vorübergehend „vergisst“, um tiefer in die dynamische Rolle hineinzufallen.

Es existieren weitere Kontexte, in denen Amnesia im BDSM auftauchen kann. Dazu gehören sehr intensive Schmerz- oder Kontrollszenen, bei denen die Wahrnehmung so stark auf einzelne Reize fokussiert ist, dass Nebensächlichkeiten ausgeblendet werden. Das Gehirn speichert nur, was im Moment als relevant empfunden wird, und blendet alles aus, was emotional nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Auch längere Sessions können zur mentalen Ermüdung führen, wodurch bestimmte Abläufe, Gespräche oder Details im Nachhinein verschwommen wirken. Besonders submissive Personen berichten häufig, dass sie während einer Session Zeitgefühl, Reihenfolge oder äußere Umstände weniger klar wahrnehmen. Diese Form der Amnesia kann lustvoll sein, weil sie Ausdruck tiefer Hingabe ist und Gefühle der Entrückung verstärkt.

Allerdings ist es wichtig zu unterscheiden, ob Amnesia im BDSM gewollt, neuropsychologisch erklärbar oder ein Warnsignal für Überforderung ist. Wenn eine Person regelmäßig große Teile von Sessions nicht erinnert, kann das ein Hinweis auf zu hohe Intensität, Stress, Überlastung oder emotionalen Druck sein. Auch Erlebnisse, die Angst auslösen oder über persönliche Grenzen hinausgehen, können zu Erinnerungslücken führen, die dann kein Teil des Spiels, sondern ein Schutzmechanismus des Gehirns sind. Deshalb ist sorgfältige Nachbesprechung essenziell, um herauszufinden, ob die Amnesia als angenehm, neutral oder belastend erlebt wurde.

In der verantwortungsvollen Praxis dient Amnesia im BDSM häufig der Vertiefung des emotionalen Erlebens. Viele submissive Personen beschreiben, dass sie während einer Session vollständig im Moment aufgehen und dadurch eine besondere Freiheit empfinden, da der Alltag und seine Belastungen ausgeblendet werden. Die Erinnerungslücken können dadurch zu einem Gefühl der Entlastung beitragen. Für dominante Personen kann die Konzentration auf Führung, Technik und Kontrolle ebenfalls zu einem Zustand führen, in dem Details nicht rational abgespeichert werden, weil der Fokus ausschließlich auf Verantwortung und Präsenz liegt.

Damit Amnesia im BDSM sicher bleibt, braucht es klare Kommunikation und kontinuierliche Einvernehmlichkeit. Partner sollten darüber sprechen, welche Art von Vergessen erwünscht, erlaubt oder unangenehm ist. Auch Rollenspiele, die mit Erinnerungslücken arbeiten, müssen gut abgesprochen sein, da sie psychologisch intensiver wirken können als klassische Machtspiele. Wenn Amnesia bewusst Teil des Spiels ist, sollte der dominante Part besonders achtsam sein, da die Wahrnehmung der submissiven Person eingeschränkt sein kann. Nachbesprechung, Erdungsrituale und emotionale Betreuung nach der Session helfen, die Erlebnisse zu integrieren und mögliche Unsicherheiten zu vermeiden.

Amnesia kann also sowohl ein erotisches Werkzeug als auch eine natürliche Begleiterscheinung intensiver Erlebnisse sein. Sie kann Bindung verstärken, Rollen vertiefen, emotionale Intensität steigern oder dem Subspace Ausdruck verleihen. Wichtig bleibt, dass sie nie ungeklärt bleibt, sondern reflektiert, verstanden und im beiderseitigen Konsens eingeordnet wird, damit sie ein bereicherender Teil der BDSM-Dynamik bleibt.

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PRINZIPIEN

Einvernehmlichkeit

Da Amnesia-Szenarien psychologisch belastend sein können, ist eine klare vorherige Absprache unverzichtbar.

 

Klares Szenario

Die Rollenverteilung und die Grenzen müssen vor Beginn der Session festgelegt werden.

 

Sicherheitsmaßnahmen

Safe Words und Signalzeichen sind essenziell, um die Kontrolle jederzeit zurückzugewinnen.

RISIKEN

Psychische Belastung

Rollenspiele mit Gedächtnisverlust können Gefühle von Verwirrung, Angst oder Hilflosigkeit auslösen.

 

Trigger für vergangene Traumata

Bei Menschen mit traumatischen Erfahrungen kann das Thema Amnesie intensive emotionale Reaktionen hervorrufen.

 

Grenzüberschreitungen

Ohne klare Kommunikation könnte die dynamische Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Keine spezifische Ausrüstung erforderlich, da das Szenario meist auf verbaler und mentaler Ebene gespielt wird. Optionale Requisiten könnten Masken, Schlafmasken oder Seile sein, um das Gefühl der Orientierungslosigkeit zu verstärken.

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ANWENDUNGS INFORMATION

Amnesia-Rollenspiele können von kurzen Spielsitzungen (z. B. 30 Minuten) bis zu längeren Szenarien reichen, jedoch ist es wichtig, regelmäßig den emotionalen Zustand der Beteiligten zu überprüfen.

 

Eignung

  • Anfänger: Nicht empfohlen, da die psychologische Komplexität und das Risiko hoch sind.
  • Fortgeschrittene: Für erfahrene Partner, die bereits in der Lage sind, intensive psychologische Rollenspiele sicher durchzuführen.

 

Vorbereitung

  • Klärung der individuellen Grenzen und möglicher emotionaler Trigger.
  • Festlegung eines „Exit-Plans“ oder Safe Words, um das Spiel jederzeit abbrechen zu können.
  • Optionale Vorbereitung auf Aftercare, insbesondere bei emotional intensiven Szenarien.

 

Aftercare

  • Besonders wichtig bei Amnesia-Szenarien, da diese psychisch belastend sein können. Die Nachsorge sollte beruhigend und unterstützend sein, beispielsweise durch Gespräche über das Erlebte, Beruhigungstechniken oder körperliche Nähe.
  • Reflexion über mögliche Anpassungen für künftige Szenarien.

 

Beispiele für Amnesia-Rollenspiele

  • Gedächtnisverlust durch Fantasiesubstanzen: Die dominante Person „verabreicht“ der submissiven Person eine imaginäre Droge, die zum vorgetäuschten Gedächtnisverlust führt.
  • Erwachen in unbekannter Umgebung: Eine Person erwacht scheinbar ohne Erinnerungen in einem inszenierten Szenario, bei dem die dominante Person Anweisungen gibt.
  • Manipulation: Die dominante Person spielt die Rolle eines Verführers oder „Lehrers“, der die submissive Person glauben lässt, dass sie bestimmte Dinge vergessen hat.

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • Dossie Easton & Janet W. Hardy: The New Topping Book
  • Lee Harrington: Sacred Kink: The Eightfold Paths of BDSM and Beyond

URSPRUNG

Der Begriff Amnesia stammt ursprünglich aus der Medizin und Psychologie und bezeichnet dort einen tatsächlichen, meist pathologischen Gedächtnisverlust. In die BDSM-Terminologie gelangte der Begriff in den frühen 1990er- und 2000er-Jahren, als Online-Communities begannen, psychische Zustände wie Subspace oder Domspace detaillierter zu beschreiben. Nutzer berichteten häufig von Erinnerungslücken während intensiver Sessions, und die Community suchte nach einer verständlichen Sprache, um diese Phänomene einzuordnen. Da der Begriff Amnesia leicht verständlich war und das subjektive Erleben treffend beschrieb, wurde er als Metapher übernommen, jedoch bewusst von seinem medizinischen Ursprung abgegrenzt. Mit der Zeit erhielt der Begriff zusätzlich eine zweite Bedeutung: Er wurde Bestandteil bestimmter Rollenspiele, in denen bewusst mit Erinnerung, Verwirrung oder Identität gearbeitet wurde. Diese dramaturgische Dimension entstammt eher der Rollenspielkultur und nicht der Psychologie. Heute wird Amnesia im BDSM breit verwendet, jedoch immer im Sinne eines temporären, durch Intensität oder Fantasie bedingten Erinnern-oder-Nicht-Erinnerns, nicht als medizinischer Zustand. Der Begriff verbindet daher psychologische Prozesse, neurobiologische Effekte und szenetypische Fantasieelemente zu einem festen Bestandteil der BDSM-Sprache.

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