CIS

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DEFINITION

CIS (abgekürzt für Completely Involuntary Servitude, auf Deutsch: Vollständig unfreiwilliger Dienst) ist ein Begriff, der im BDSM-Kontext verwendet wird, um eine Fantasie oder ein Szenario zu beschreiben, in dem eine Person scheinbar gegen ihren Willen (meistens als Teil eines einvernehmlichen Spiels) zur Unterwerfung oder zum Dienen gezwungen wird.oder auch,CIS im BDSM („Controlled Immobilization & Stillness“) bezeichnet eine Praxis, bei der ein Sub bewusst, sicher und vollständig oder teilweise unbeweglich gehalten wird. Der Fokus liegt auf Kontrolle, Hingabe, psychologischer Dominanz und intensiver Wahrnehmung. Es gehört zum Bereich der Immobilisierungsspiele.

BESCHREIBUNG

CIS – Controlled Immobilization & Stillness – ist eine Form des BDSM, bei der sich alles um das zentrale Element der Bewegungslosigkeit dreht. Während viele BDSM-Praktiken mit Aktivität, körperlicher Interaktion oder dynamischer Dominanz arbeiten, fokussiert CIS auf die vollständige oder teilweise Immobilisierung des submissiven Partners. Das Ziel besteht darin, einen Zustand herzustellen, in dem der Sub sich seinem Dominanten vollständig überlassen kann und in dem körperliche Aktivität, Initiative oder Widerstand bewusst unterbunden werden. Diese Art der Immobilisierung kann sowohl physisch als auch psychologisch wirken und wird häufig als tiefgehende Form von Hingabe erlebt.

Im Zentrum von CIS steht der Kontrollverlust. Der Sub wird festgehalten, gefesselt, fixiert oder angewiesen, absolut still zu bleiben. Dabei spielt weniger die körperliche Kraft eine Rolle als das Gefühl, in einer Situation zu sein, in der die eigene Bewegung irrelevant oder unmöglich wird. Für viele submissive Personen ist dieser Zustand hochgradig intensiv, weil er eine tiefe Form des Loslassens ermöglicht. Das Bedürfnis, nichts tun zu müssen, keine Verantwortung über den eigenen Körper zu haben, kann eine enorme mentale Entlastung erzeugen. Manche beschreiben CIS als eine Art Meditation unter Dominanz – ein völliges Eintauchen in das Hier und Jetzt.

Der dominante Part übernimmt dabei eine Rolle, die stark von Kontrolle, Struktur und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Ein Dom, der CIS ausübt, muss in der Lage sein, die Situation jederzeit sicher zu steuern. Er entscheidet über Positionen, Dauer, Grenzen, Intensität und über das psychologische Setting. Die Immobilisierung kann dabei vollkommen passiv sein – etwa durch Fixierung an Möbeln, Fesseln oder Bondage-Techniken – oder vollkommen aktiv, wenn der Dom den Sub mit Händen, Körpergewicht oder bestimmter Grifftechnik bewegungslos hält.

Viele Paare nutzen CIS, um den Fokus des Sub auf die Sinneswahrnehmung zu verstärken. Wenn der Körper sich nicht bewegen kann, verstärken sich Berührungen, Stimme, Nähe, Wärme, Kälte oder Druck deutlich. Auch die Abhängigkeit vom Dominanten wird intensiver wahrgenommen. Da der Sub keine eigene Handlungsmöglichkeit hat, wird jede Geste des Dom zu einem Ereignis. In dieser Form ist CIS oft ein Werkzeug, um emotionale Tiefe zu erzeugen: Es schafft Vertrauen, Verlangsamung und starke Bindungsmomente.

Psychologisch hat CIS verschiedene Anwendungen. Manche nutzen es für Zentrierung und Stressabbau. Bewegungslosigkeit kann beruhigen, erden und mentale Blockaden lösen. Andere erleben CIS eher als Machtspiel, verbunden mit dem Wunsch, dominiert oder kontrolliert zu werden. Für manche ist es eine Form von Demütigung, weil der Kontrollverlust als Auslieferung erlebt wird. Wieder andere nutzen es als Vorbereitung für weitere BDSM-Elemente wie Impact Play, Sensory Play oder Machtspiele.

Physisch kann CIS auf verschiedene Arten erreicht werden: Fesseln, Bondage, Hogtie, Fixierung an Möbeln, Kneeling Positions, Spread Positions oder Stillstandsrituale. Auch technikfreie Spielarten sind verbreitet, bei denen die Immobilisierung rein durch Stimme, Dominanz und Erwartung entsteht: Ein Dom befiehlt seinem Sub, vollkommen still zu bleiben – jede Bewegung wäre ein Regelbruch.

Sicherheit spielt bei CIS eine besonders große Rolle. Immobilisierung birgt Risiken wie Druckstellen, Kreislaufprobleme, eingeschränkte Blutzirkulation oder Panikreaktionen. Deshalb müssen Positionen, Dauer und körperliche Voraussetzungen beachtet werden. Ein erfahrener Dom überprüft regelmäßig Atmung, Körperhaltung und Signale des Subs. Kommunikation ist entscheidend – vor, während und nach dem Spiel.

Trotz seiner teils extremen Intensität wird CIS von vielen als eine der ruhigsten und gleichzeitig tiefsten BDSM-Praktiken beschrieben. Der Zustand der erzwungenen oder freiwilligen Bewegungslosigkeit kann äußerst befreiend sein, weil er sowohl mental als auch körperlich eine klare Struktur vorgibt. Nichts muss entschieden werden, nichts muss aktiv getan werden. Der Sub sinkt in die Rolle, der Dom hält den Rahmen.

Zusammengefasst ist CIS eine hochkonzentrierte, reduktionistische Form des BDSM, bei der das Weglassen – die Abwesenheit von Bewegung – die eigentliche Intensität erzeugt. Je nach Paar kann CIS sinnlich, emotional, spirituell, machtbetont oder meditativ sein. Seine Stärke liegt in der Kombination aus psychologischer Kontrolle und körperlicher Präsenz.

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PRINZIPIEN

Konsens ist unerlässlich

Trotz der scheinbaren „Unfreiwilligkeit“ bleibt CIS eine einvernehmliche Praktik, bei der beide Parteien klare Grenzen und Regeln festlegen.

 

Sicherheitsmaßnahmen

Da CIS mit Elementen von Machtmissbrauch oder Kontrolle spielt, sind Safe Words oder alternative Signale notwendig, um die Praktik jederzeit abbrechen zu können.

 

Emotionale Nachsorge

Da CIS-Szenarien intensiv und emotional belastend sein können, ist eine umfassende Aftercare wichtig.

RISIKEN

Emotionale Überforderung

Die Simulation von Machtlosigkeit kann starke emotionale Reaktionen wie Angst oder Unwohlsein auslösen.

 

Missverständnisse

Unzureichende Kommunikation kann zu ungewollten Grenzverletzungen führen.

 

Langfristige Auswirkungen

Wiederholte oder intensive CIS-Sessions ohne ausreichende Nachsorge können Gefühle der Abhängigkeit oder Unsicherheit fördern.

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

  • Fesseln oder andere Bondage-Elemente
  • Augenbinden oder Kopfhörer für Sinnesentzug
  • Alltagsgegenstände für Aufgaben (z. B. Putzutensilien, Serviergeschirr)
  • Bestrafungsinstrumente (z. B. Paddles oder Peitschen) für spielerische „Disziplinierung“

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ANWENDUNGS INFORMATION

Fantasie vs. Realität

CIS ist rein fiktiv und spielt mit dem Konzept der absoluten Machtkontrolle. Tatsächlich bleibt die Kontrolle über die Situation immer bei der submissiven Person, da diese die Bedingungen der „unfreiwilligen“ Unterwerfung im Voraus abgesprochen hat.

 

Typische Elemente

  • Zwangsarbeit (Hausarbeit, Dienerschaft oder spezielle Aufgaben)
  • Verweigerung der Wahlfreiheit, z. B. durch Einschränkungen in Kleidung, Verhalten oder Bewegungsfreiheit
  • Simulation von „Strafen“ bei Ungehorsam oder mangelnder Leistung
  • Sinnesentzug oder körperliche Fixierung, um die Machtlosigkeit zu betonen

 

Rollenverteilung

  • Dominante Person: Die Person, die die Befehle erteilt und die Kontrolle über die Handlungen der Sub übernimmt.
  • Submissive Person: Die Person, die sich „unfreiwillig“ unterwirft und die vorgegebenen Aufgaben erfüllt.

 

Eignung

  • Für Fortgeschrittene empfohlen, da CIS intensive Kontrolle und Machtspiele beinhaltet.
  • Anfänger sollten zunächst mit weniger intensiven Machtspielen beginnen, bevor sie sich auf CIS-Szenarien einlassen.

 

Vorbereitung

  • Absprache der spezifischen Aufgaben, Rollen und Dauer der Session.
  • Sicherstellen, dass alle Beteiligten mit den Sicherheitsmaßnahmen vertraut sind.
  • Bereitstellung der notwendigen Ausrüstung.

 

Aftercare

  • Emotionale Nachsorge durch Gespräche, um sicherzustellen, dass keine negativen Emotionen zurückbleiben.
  • Physische Nachsorge, insbesondere wenn körperliche Einschränkungen oder Disziplinierung eingesetzt wurden.
  • Feedback zu den Erfahrungen, um zukünftige Sessions anzupassen.

 

Präventionsmaßnahmen

  • Detaillierte Vorgespräche zur Festlegung von Grenzen und möglichen Triggern.
  • Vereinbarung eines klaren Safe Words oder eines nonverbalen Signals.
  • Regelmäßige Nachbesprechungen zur Reflexion über die Erfahrungen.

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • „SM 101: A Realistic Introduction“ von Jay Wiseman
  • „The Loving Dominant“ von John Warren

URSPRUNG

Der Begriff Completely Involuntary Servitude (CIS) hat keine historischen Wurzeln im klassischen BDSM wie andere Praktiken, die sich etwa aus kulturellen oder historischen Disziplinierungsformen entwickelt haben (z. B. Bondage aus der japanischen Shibari-Tradition). Stattdessen ist CIS ein Konzept, das in der modernen BDSM-Szene entstanden ist, insbesondere durch die Verbreitung von Fantasien, die Macht und völlige Unterwerfung thematisieren.

Obwohl der Begriff „unfreiwillig“ suggeriert, dass die submissive Person keine Kontrolle hat, basiert CIS immer auf Konsens und sorgfältig abgesprochenen Grenzen. CIS-Szenarien sind häufig Teil von Non-Consent Play oder Total Power Exchange (TPE)-Beziehungen.

 

Die Ursprünge der Fantasie von "unfreiwilliger Dienerschaft" lassen sich auf zwei wesentliche Einflüsse zurückführen:

  1. Historische Unterwerfungs- und Servitude-Fantasien: Bereits in der viktorianischen Ära wurden Fantasien über Dienerschaft und Unterwerfung in literarischen Werken thematisiert, beispielsweise in der frühen Erotikliteratur wie Venus im Pelz (1870) von Leopold von Sacher-Masoch. Hier stand die Idee der Machtübernahme durch eine dominante Person im Mittelpunkt.
  2. Die moderne Entwicklung durch Rollenspiele und Total Power Exchange (TPE): Mit der Entwicklung der BDSM-Community im 20. Jahrhundert, besonders in den 1970er und 1980er Jahren, wuchs das Interesse an realitätsnahen Rollenspielen. Total Power Exchange (TPE), bei dem die submissive Person langfristig Macht abgibt, bot den Boden für die Entstehung von Fantasien wie CIS. Diese differenzierten sich jedoch dadurch, dass CIS-Szenarien stärker auf die kurzfristige Simulation völliger Machtlosigkeit abzielen.

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