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Vereinbarungen, die vor einer BDSM-Session zwischen den beiden Partnern getroffen werden. Sie umfassen Absprachen über Grenzen, Wünsche, Erwartungen sowie Sicherheitsmaßnahmen und dienen dazu, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrauen zu stärken.
Absprachen im BDSM bilden die Grundlage jeder sicheren, verantwortungsvollen und respektvollen Interaktion zwischen dominanten und submissiven Partnern. Sie dienen dazu, Erwartungen, Grenzen, Wünsche und mögliche Risiken klar zu definieren, bevor eine BDSM-Session beginnt oder eine längerfristige Dynamik aufgebaut wird. Absprachen sind kein formeller oder bürokratischer Akt, sondern ein integraler Bestandteil der Kommunikation, der es beiden Partnern ermöglicht, ein intensives, gleichzeitig aber sicheres und einvernehmliches Erlebnis zu gestalten. Im BDSM, wo Machtgefälle, körperliche Intensität, psychologische Tiefe und Vertrauen zentrale Rollen spielen, sind Absprachen die entscheidende Basis, auf der sich emotionale sowie körperliche Sicherheit entfalten kann. Viele Fehler, Missverständnisse oder Verletzungen entstehen nicht durch schlechte Absichten, sondern durch fehlende oder unklare Kommunikation. Deshalb wird in der BDSM-Community oft betont, dass gute Absprachen genauso wichtig sind wie die Techniken selbst.
Absprachen im BDSM umfassen eine Vielzahl von Themen. Der wichtigste Punkt ist die Einvernehmlichkeit. Beide Partner müssen klar, bewusst und freiwillig zustimmen, bestimmte Praktiken auszuleben. Dazu gehört, dass sie vorher offen über ihre Erfahrungen, Erwartungen, körperlichen Einschränkungen und emotionalen Bedürfnisse sprechen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei das Festlegen persönlicher Grenzen. Manche Menschen haben klare No-Gos, die grundsätzlich tabu sind, während andere Praktiken nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind. Auch Soft Limits spielen eine Rolle: Das sind Praktiken, die möglich sind, aber nur vorsichtig, selten oder in leicht abgewandelter Form eingesetzt werden sollen. Der Dom muss wissen, wo die Grenzen des Subs liegen, und der Sub muss sicher sein, dass diese respektiert werden. Gleichzeitig braucht der Dom ebenfalls Raum, seine eigenen Grenzen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten zu definieren. Absprachen gelten immer in beide Richtungen, auch wenn die Dynamik selbst asymmetrisch ist.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Absprachen betrifft die körperliche Sicherheit. Vor einer Session sollte klar sein, welche Techniken angewendet werden, wie intensiv gespielt wird, ob Schlaginstrumente, Bondage, Atemkontrolle oder psychologische Elemente genutzt werden und in welchem Rahmen diese stattfinden dürfen. Der Sub gibt an, welche Verletzungen, Erkrankungen oder körperlichen Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Der Dom kommuniziert, welche Techniken er beherrscht, welche Risiken bestehen und wie er sicherstellt, dass der Sub geschützt bleibt. Dazu gehört auch das Festlegen von Safewords oder Stop-Signalen. Viele nutzen das Ampelsystem: „Grün“ bedeutet weitermachen, „Gelb“ steht für Vorsicht oder Intensitätsreduktion, „Rot“ beendet das Spiel sofort. Für Situationen, in denen Sprache nicht möglich ist, werden nonverbale Zeichen vereinbart. Ohne klare Absprachen dieser Art wäre BDSM nicht sicher praktizierbar.
Neben der Sicherheit spielen emotionale Aspekte eine große Rolle bei Absprachen. BDSM kann intensive psychologische Reaktionen auslösen, von Lust und Endorphinrausch bis zu Angst, Überforderung oder emotionaler Öffnung. Deshalb wird auch besprochen, wie emotional tief gespielt werden soll, welche Rollen eingenommen werden, wie streng oder weich die Kommunikation während der Session sein darf und wie Aftercare gestaltet wird. Aftercare bezeichnet die emotionale und körperliche Nachsorge nach einer intensiven Szene. Einige Subs brauchen Nähe, Wärme, Zuspruch oder Ruhe, während andere nach einer Session lieber für sich sind. Diese Bedürfnisse müssen vorher klar kommuniziert werden, damit beide Partner sich darauf einstellen können. Ebenso wichtig sind Absprachen über Follow-up-Kommunikation, etwa wie man nach einer sehr intensiven Session miteinander umgeht, ob man über Emotionen spricht oder ob bestimmte Szenenteile nachbearbeitet werden sollen.
Absprachen betreffen nicht nur einzelne Sessions, sondern auch langfristige BDSM-Beziehungen. In strukturierten Rollen wie 24/7, TPE oder langfristigen Dom/Sub-Dynamiken müssen Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Grenzen besonders präzise formuliert werden. Dazu gehören Fragen wie: Welche Machtbereiche werden übertragen? Welche Verpflichtungen entstehen daraus? Welche Aufgaben oder Rituale sollen gelten? Wie wird mit Konflikten umgegangen? Welche Elemente gehören zum Alltag, welche sind rein spielbezogen? Langfristige Absprachen verhindern Missverständnisse und ermöglichen eine stabile, vertrauensvolle Beziehung, in der beide Partner sich sicher fühlen.
Besonders relevant ist auch der Aspekt der Anpassbarkeit. Absprachen sind nicht starr. Sie können sich mit der Erfahrung, der emotionalen Bindung, dem Vertrauen oder neuen Interessen weiterentwickeln. Viele BDSM-Paare führen regelmäßige „Check-ins“ durch, um zu besprechen, was gut funktioniert hat, was geändert werden soll oder welche neuen Elemente ausprobiert werden könnten. Gute Absprachen sind flexibel, offen und ehrlich. Sie sind kein starres Regelwerk, sondern ein lebendiger Teil der Beziehung. Wichtig ist dabei Transparenz: Beide Partner müssen jederzeit das Gefühl haben, ehrlich sprechen zu dürfen, ohne bewertet oder unter Druck gesetzt zu werden.
Ein weiterer Punkt betrifft die Differenzierung zwischen On-Play- und Off-Play-Persona. Manche Dominante und Submissive agieren in einer Session völlig anders als im Alltag. Damit keine falschen Erwartungen entstehen, muss klar sein, wie weit diese Rollen außerhalb des Spiels gelten und wie man nach Ende der Session wieder in die alltägliche Beziehung zurückkehrt. Auch dies gehört zu verantwortungsvollen Absprachen.
Nicht zuletzt beinhaltet eine gute Absprache auch die Einordnung von Fehlern. Niemand spielt fehlerfrei. Ein Schlag kann verrutschen, eine Reaktion kann falsch eingeschätzt werden, ein Safeword kann früher nötig sein als gedacht. Entscheidend ist nicht Fehlerfreiheit, sondern der Umgang damit. Die Absprache sollte beinhalten, wie man in solchen Situationen reagiert, wie man sie nachbespricht und wie man sich gegenseitig emotional auffängt. Dieser respektvolle Umgang bildet das Fundament für Vertrauen, ohne das BDSM nicht funktionieren kann.
Zusammengefasst sind Absprachen im BDSM das Herzstück jeder sicheren, respektvollen und intensiven Interaktion. Sie definieren Grenzen, schaffen Vertrauen, ermöglichen emotionale Tiefe und bieten Orientierung für beide Partner. Durch offene Kommunikation können Paare ihr Spiel bewusst gestalten, Risiken minimieren und gleichzeitig die Freiheit genießen, sich einvernehmlich und intensiv auszuleben. Richtig angewendet machen Absprachen BDSM nicht nur sicher, sondern auch zu einem zutiefst erfüllenden Erlebnis.
Prinzipien
1. Einvernehmlichkeit: Alle Personen stimmen den Absprachen bewusst und freiwillig zu.
2. Offenheit: Ehrliche Kommunikation über Wünsche, Grenzen und mögliche Ängste.
3. Flexibilität: Absprachen können angepasst werden, falls sich während der Interaktion etwas ändert.
Inhalte bzw. Absprachen
1. Grenzen: Harte Grenzen: Praktiken, die absolut nicht erlaubt sind.
2. Weiche Grenzen: Praktiken, die nur unter bestimmten Umständen erlaubt sind.
3. Safe Words: Wörter oder Signale, die genutzt werden, um die Interaktion zu pausieren oder zu beenden. Beispiele: „Rot“ (sofortiger Stopp), „Gelb“ (langsamer werden).
4. Wünsche und Fantasien: Welche Praktiken werden gewünscht? Gibt es bestimmte Szenarien oder Rollen, die ausprobiert werden sollen?
5. Verantwortlichkeiten: Wer übernimmt welche Rolle (z. B. Top, Bottom, Dom, Sub)? Wer sorgt für Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Notfallwerkzeuge bei Bondage)?
6. Sicherheitsmaßnahmen: Erste-Hilfe-Material bereithalten. Klärung gesundheitlicher Aspekte (z. B. Allergien, Verletzungen).
7. Nachsorge: Was wird nach der Sitzung benötigt (z. B. emotionale Unterstützung, Ruhezeit)?
Risiken
Missverständnisse oder unausgesprochene Erwartungen. Emotionale Überforderung oder Traumatisierung.
Minimierung: Detaillierte, ungestörte Vorabgespräche. Nutzung von Checklisten (z. B. BDSM-Play-Checklisten). Regelmäßiges Feedback während der Sitzung
Anfänger
Erlernen grundlegender Kommunikationsstrategien.
Fortgeschrittene
Verfeinerung und Erweiterung der Absprachen.
Vorbereitung
Genügend Zeit für das Gespräch einplanen. In einem sicheren und entspannten Umfeld kommunizieren.
Nachsorge
Reflexion der Absprachen: Was hat funktioniert? Was könnte verbessert werden? Gemeinsame Verarbeitung emotionaler Erlebnisse.
Empfohlene Literatur
.Der Begriff Absprachen im BDSM hat seinen Ursprung in den frühen Entwicklungen der modernen BDSM-Subkultur der 1970er- und 1980er-Jahre, als sich erste organisierte Communities bildeten und Sicherheitsstandards definierten. Mit dem Aufkommen von Leder-, Gay-SM- und später heterogenen BDSM-Gruppen wurde zunehmend deutlich, dass Machtspiele, Fesselungen und sadomasochistische Praktiken ohne klar definierte Regeln gefährlich werden können. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand der Begriff Absprachen als feste Bezeichnung für den kommunikativen Teil, der jedem Spiel vorausgeht. Er entwickelte sich parallel zu Konzepten wie Safe, Sane, Consensual (SSC) und später Risk Aware Consensual Kink (RACK). Absprachen wurden damit ein eigenes Fachwort innerhalb der Szene und bezeichneten fortan die bewusste, einvernehmliche und verantwortliche Klärung aller Spielbedingungen. Der Begriff prägte sich schnell ein, weil er sowohl die Bedeutung von Sicherheit als auch die Wichtigkeit offener Kommunikation im BDSM verdeutlicht und bis heute einen zentralen Grundpfeiler der Szene beschreibt.
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