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Auspeitschen ist eine BDSM-Praktik, bei der eine Person mit einer Peitsche oder ähnlichen Schlaginstrumenten (z. B. Flogger, Reitgerte, Paddle) gezielt geschlagen wird, um körperliche Stimulation, Schmerz oder auch psychische Erregung zu erzeugen.
Auspeitschen gehört zu den bekanntesten und zugleich missverstandenen Praktiken im BDSM. Viele Menschen verbinden den Begriff spontan mit Gewalt, Strafe oder Demütigung. In der BDSM-Szene bedeutet Auspeitschen jedoch etwas grundlegend anderes: eine einvernehmliche, bewusst gestaltete Form von Impact Play, die auf Kommunikation, Vertrauen und klaren Grenzen basiert. Nicht das „Zuschlagen“ an sich steht im Zentrum, sondern die gemeinsam vereinbarte Dynamik aus Intensität, Kontrolle, Hingabe, Körpergefühl und manchmal auch Ritual.
Im Kern beschreibt Auspeitschen eine Szene, in der eine Person die führende Rolle übernimmt (Top/Dom, je nach Dynamik) und die andere Person sich bewusst darauf einlässt (Bottom/Sub). Dieses Einlassen kann viele Motive haben. Manche erleben Auspeitschen als erotisch, weil Schmerz und Lust im Körper eng miteinander verwoben sein können. Andere schätzen die emotionale Komponente: das Gefühl, gesehen zu werden, sich fallen lassen zu dürfen oder für einen Moment den Kopf auszuschalten. Wieder andere nutzen Auspeitschen in einem klaren Rollenspiel, etwa im Rahmen einer Disziplin-, Erziehungs- oder Dienstleistungsdynamik. Entscheidend ist: BDSM-Auspeitschen ist nicht willkürlich, sondern wird durch Absprachen, Stoppsignale und Verantwortungsbewusstsein definiert.
Die Bandbreite ist groß. Auspeitschen muss nicht automatisch „hart“ sein. In vielen Konstellationen beginnt eine Szene mit einer sanften Annäherung: der erste Kontakt des Instruments, ein kontrollierter Rhythmus, ein Aufbau von Spannung. Dieser Spannungsaufbau kann genauso wichtig sein wie die Intensität selbst. Viele Menschen berichten, dass gerade das Wechselspiel aus Erwartung, Kontrolle und körperlicher Reaktion den Reiz ausmacht. Die führende Person liest dabei permanent Signale: Atmung, Körperspannung, Stimme, Blickkontakt oder kleine Bewegungen. Auspeitschen im BDSM ist daher häufig weniger „Aktion“ als ein Dialog über den Körper.
Je nach Instrument verändert sich das Erleben deutlich. Ein Flogger kann flächiger wirken, eine Reitgerte eher punktuell, ein Riemen oder Strap oft klarer und „direkter“. Auch die Symbolik spielt eine Rolle: Für manche steht die Peitsche als ikonisches Zeichen für Dominanz, Macht oder Kontrolle, während für andere der Fokus stärker auf dem körperlichen Stimulus liegt. In jeder Variante bleibt der Kern gleich: Die Beteiligten gestalten gemeinsam eine Erfahrung, die im Alltag so nicht vorkommt – gerade dadurch kann sie intensiv und verbindend sein.
Aus psychologischer Sicht lässt sich Auspeitschen im BDSM auch als Methode verstehen, Aufmerksamkeit zu bündeln. Schmerzreize können den Geist „in den Moment“ holen und Grübeln, Stress oder innere Unruhe vorübergehend in den Hintergrund drängen. Manche Subs erleben dabei einen Zustand tiefer Hingabe oder Tranceähnlichkeit (oft als „Subspace“ beschrieben). Tops wiederum berichten nicht selten von starker Fokussierung, Verantwortungsgefühl und einem flowartigen Zustand („Topspace“). Wichtig ist: Solche Zustände sind nicht garantiert und auch nicht das Ziel jeder Szene, aber sie erklären, warum Auspeitschen für viele Menschen mehr ist als reine körperliche Stimulation.
Gleichzeitig hat Auspeitschen eine starke kommunikative Ebene. In vielen Beziehungen wird Impact Play genutzt, um Rollen zu festigen, Grenzen zu erkunden oder Vertrauen aufzubauen. Wer sich als Sub auspeitschen lässt, gibt nicht einfach Kontrolle ab – er oder sie entscheidet sich aktiv dafür, in einem sicheren Rahmen etwas Intenses zu erleben. Wer führt, übernimmt nicht „Macht um der Macht willen“, sondern trägt Verantwortung: für Tempo, Intensität, emotionale Stabilität und Nachsorge. In stabilen Dynamiken entsteht daraus oft ein Gefühl von Nähe, weil beide Seiten wissen: Wir können weit gehen – aber wir gehen nur so weit, wie es für uns beide stimmt.
Ein weiterer Aspekt ist die Ästhetik und Ritualisierung. Auspeitschen kann in klaren Abläufen stattfinden: Vorbereitung, Position, Ankündigung, Rhythmus, Pausen, Nachsorge. Manche Paare nutzen Auspeitschen als Teil von Zeremonien, etwa in 24/7-Dynamiken oder bei festgelegten „Disziplin-Ritualen“. Andere halten es spielerischer, spontaner, humorvoller. Wieder andere bevorzugen einen eher „sportlichen“ Zugang, bei dem Technik, Timing und Körperwissen im Vordergrund stehen. Diese Vielfalt zeigt: Auspeitschen im BDSM ist kein starres Konzept, sondern ein Oberbegriff für eine Praxis, die je nach Beziehung, Setting und Persönlichkeit sehr unterschiedlich aussehen kann.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zur realen Gewalt. Das Wort „Auspeitschen“ trägt historisch eine harte Konnotation – und genau deshalb ist im BDSM-Kontext die bewusste Rahmung so entscheidend. Konsens, Grenzen und ein „Stopp“ müssen jederzeit möglich sein. Ebenso wichtig ist eine Kultur, in der niemand überredet wird, etwas zu tun, das sich innerlich falsch anfühlt. Auspeitschen kann nur dann lustvoll, intensiv oder emotional wertvoll sein, wenn es auf echter Freiwilligkeit basiert.
Viele Missverständnisse entstehen dadurch, dass Außenstehende nur das sichtbare Ergebnis bewerten – rote Haut, Geräusche, Instrumente – und die unsichtbare Ebene übersehen: Absprache, Vertrauen, Verantwortung, Fürsorge. Für die Beteiligten ist genau diese unsichtbare Ebene häufig der eigentliche Kern. Auspeitschen kann somit Ausdruck von Erotik sein, aber ebenso Ausdruck von Bindung, Rollenidentität, Achtsamkeit und manchmal auch innerer Befreiung. Es ist eine Praxis, die Respekt verdient – nicht, weil sie „krass“ ist, sondern weil sie hohe Anforderungen an Kommunikation und Verantwortung stellt.
Einvernehmlichkeit
Wie bei allen BDSM-Praktiken muss das Auspeitschen im gegenseitigen Einverständnis erfolgen.
Sicherheit
Die dominante Person muss über Kenntnisse zu empfindlichen Körperbereichen verfügen und wissen, welche Zonen sicher geschlagen werden können.
Steigerung der Intensität
Die Schläge sollten langsam gesteigert werden, um die Schmerzgrenze der submissiven Person nicht plötzlich zu überschreiten.
Hämatome oder Blutergüsse
Bei intensiven Schlägen können blaue Flecken entstehen.
Hautverletzungen
Besonders bei scharfen Peitschen können Hautrisse auftreten.
Nervenschäden
Bei unsachgemäßem Schlagen auf empfindliche Stellen wie die Wirbelsäule können Schäden an Nerven entstehen.
Emotionale Überforderung
Schmerzspiele können bei einigen Personen unerwartete emotionale Reaktionen auslösen.
Dauer/Intensität
Eignung
Vorbereitung
Aftercare
Nach dem Auspeitschen ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig. Dazu gehören:
Geeignete Schlaginstrumente
Sichere Zonen
Empfindliche oder zu vermeidende Zonen
Sicherheitsmaßnahmen
Empfohlene Literatur:
Dossie Easton, Janet W. Hardy – The T of BDSM: Trust, Power and Responsibility
Jay Wiseman – SM 101: A Realistic Introduction
Midori – The Seductive Art of Japanese Bondage
Matthias T. J. Grimme – Das große Buch der BDSM-Praxis
Felix Ruckert – Sexräume
Björn Wedel – Sadomasochismus verstehen
Das Auspeitschen hat eine lange Geschichte und wurde in verschiedenen Kulturen sowohl als Bestrafung als auch in rituellen oder erotischen Kontexten verwendet. In der BDSM-Welt ist es eine weit verbreitete Praktik, die auf der kontrollierten Zuführung von Schmerz basiert und häufig in Dominanz/Submission-Dynamiken (D/S) Anwendung findet.
Die Intensität kann von leichten Schlägen bis hin zu intensiven Schmerzreizen reichen. Das Auspeitschen kann als Teil von Bestrafungs- oder Belohnungsspielen, Machtspielen oder Schmerzspielen (Pain Play) eingesetzt werden. Bei der Durchführung sind Sicherheitsmaßnahmen entscheidend, um Verletzungen zu vermeiden und die Erfahrung für beide Partner angenehm und sicher zu gestalten.
Der deutsche Begriff „Auspeitschen“ stammt aus dem allgemeinen Sprachgebrauch und bezeichnet historisch das Zufügen von Schlägen mit einer Peitsche, meist als Straf- oder Züchtigungsmaßnahme. In Europa ist die Peitsche seit der Antike in unterschiedlichen Kontexten dokumentiert, etwa als Instrument zur Disziplinierung von Menschen und Tieren, später auch in militärischen und juristischen Strafsystemen. Das Wort setzt sich aus „Peitsche“ und der Vorsilbe „aus-“ zusammen und trägt dadurch sprachlich den Charakter des „vollständigen“ oder „gründlichen“ Schlagens.
Im BDSM wurde der Begriff nicht erfunden, sondern übernommen und umgedeutet. Während historisches Auspeitschen nahezu immer fremdbestimmt, öffentlich oder repressiv war, wird Auspeitschen im BDSM als einvernehmliche, kontrollierte Praxis verstanden. Gerade diese bewusste Umkehr – von Zwang zu Konsens – erklärt, warum der Begriff in der Szene eine starke symbolische Wirkung behalten hat. Er verweist auf Macht, Kontrolle und Disziplin, wird aber im BDSM durch klare Absprachen, Sicherheitsregeln und Freiwilligkeit in einen völlig anderen Bedeutungsrahmen gesetzt.
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