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Automasochismus beschreibt die sexuelle Erregung durch das Zufügen von Schmerz an sich selbst.Auto-Masochismus im BDSM beschreibt das einvernehmliche Erleben von Lust, Erregung oder emotionaler Regulation durch selbst zugefügte, kontrollierte Schmerzen oder intensive Reize, ohne Beteiligung einer weiteren Person.
Auto-Masochismus ist eine Form masochistischer Praxis, bei der die handelnde und die empfangende Rolle in derselben Person liegen. Anders als beim klassischen Masochismus innerhalb einer D/s-Dynamik entfällt hier die Fremdsteuerung durch eine dominante Person. Kontrolle, Intensität, Dauer und Abbruch liegen vollständig bei der ausführenden Person selbst.
Im BDSM-Kontext ist Auto-Masochismus klar von pathologischem selbstverletzendem Verhalten abzugrenzen. Während Selbstverletzung häufig aus Zwang, Dissoziation oder psychischem Leid entsteht und keine lustvolle Komponente aufweist, basiert Auto-Masochismus auf bewusster Entscheidung, erotischer Motivation und kontrollierter Ausführung. Ziel ist nicht Bestrafung oder Selbsthass, sondern Empfindung, Erregung, Stressabbau oder emotionale Fokussierung.
Viele Menschen nutzen auto-masochistische Praktiken als Ergänzung zu partnered BDSM-Szenen oder als eigenständige Ausdrucksform ihrer Sexualität. Häufige Motive sind:
das Erleben von Intensität ohne soziale Abhängigkeit,
das Erkunden eigener Schmerzgrenzen,
emotionale Erdung oder Spannungsregulation,
sexuelle Erregung durch Kontrolle über den eigenen Körper.
Auto-Masochismus kann ritualisiert oder spontan sein. Manche Menschen entwickeln feste Abläufe, feste Reizarten oder Zeitfenster, andere handeln situativ. Entscheidend ist, dass Bewusstsein, Selbstverantwortung und Nachsorge integraler Bestandteil der Praxis sind.
Ein wichtiger Aspekt ist die fehlende externe Korrekturinstanz. Da keine zweite Person beteiligt ist, besteht ein erhöhtes Risiko für Grenzüberschreitungen, ungewollte Eskalation oder mangelnde Einschätzung körperlicher Signale. Deshalb wird Auto-Masochismus innerhalb der BDSM-Community häufig als fortgeschrittene Praxis betrachtet, die ein hohes Maß an Selbstreflexion und Körperkenntnis erfordert.
Auto-Masochismus folgt denselben grundlegenden Sicherheits- und Ethikprinzipien wie andere BDSM-Praktiken, erfordert jedoch eine besonders konsequente Selbstanwendung.
Zentrale Prinzipien
Bewusste Entscheidung ohne emotionalen Druck
Klare Motivation (Lust, Exploration, Regulation – nicht Selbstbestrafung)
Volle Kontrolle über Beginn, Intensität und Ende
Nachsorge und Reflexion
SSC – Safe, Sane, Consensual
Auch ohne Partner gilt: Die Handlung muss körperlich möglichst sicher, mental verantwortungsvoll und freiwillig sein.
RACK – Risk Aware Consensual Kink
Risiken müssen realistisch eingeschätzt werden, da keine externe Sicherung vorhanden ist.
PRICK – Personal Responsibility Informed Consensual Kink
Die Verantwortung liegt vollständig bei der handelnden Person.
Physische Verletzungen
Durch unsachgemäße Durchführung können Hämatome, Hautrisse oder Verbrennungen auftreten.
Überreizung oder Nervenschäden
Zu intensiver oder zu langer Schmerz kann Nervenschäden oder Taubheitsgefühle verursachen.
Emotionale Überforderung
Schmerzstimulation kann unerwartet intensive emotionale Reaktionen auslösen, insbesondere ohne die Unterstützung eines Partners.
Besondere Risiken entstehen durch:
fehlende externe Stop-Instanz,
schleichende Grenzverschiebung,
Verwechslung mit emotionaler Selbstbestrafung,
Vernachlässigung von Nachsorge.
Warnsignale sind unter anderem:
Kontrollverlust,
Schuld- oder Schamgefühle,
steigende Intensität ohne Lustgewinn,
Verheimlichung aus Angst statt aus Diskretion.
In solchen Fällen ist eine Pause und gegebenenfalls professionelle Unterstützung dringend angeraten.
Paddel, Peitschen oder Flogger: Für selbstverabreichte Schläge.
Wachskerzen: Geeignete BDSM-Kerzen mit niedriger Schmelztemperatur, um Verbrennungen zu vermeiden.
Klammern: Nippel- oder Krokodilklemmen für gezielte Schmerzstimulation.
Kühlende Salben oder Gels: Zur Linderung nach der Session.
Dauer/Intensität
Eignung
Vorbereitung
Aftercare
Typische Formen des Automasochismus
Sicherheitsmaßnahmen
Empfohlene Literatur:
Deutsch
Matthias T. J. Grimme – BDSM – Psychologie, Lust und Verantwortung
Matthias T. J. Grimme – Das BDSM-Handbuch
Lady Green & Jay Wiseman – Sicherheit im BDSM
Jay Wiseman – SM 101
Dossie Easton & Janet W. Hardy – The Ties That Bind
Der Begriff stammt aus der Psychologie und wurde ursprünglich verwendet, um masochistisches Verhalten zu beschreiben, das ohne externe dominante Personen stattfindet. Innerhalb der BDSM-Community hat sich Automasochismus als anerkannte und eigenständige Praxis etabliert, die sowohl zur Selbstbefriedigung als auch zur Selbstexploration genutzt werden kann.
Dabei ist die betroffene Person sowohl diejenige, die den Schmerz zufügt (aktive Rolle), als auch diejenige, die den Schmerz empfängt (passive Rolle). Automasochismus kann unterschiedliche Formen annehmen, von leichter Selbststimulation mit schmerzhaften Reizen (z. B. durch Kneifen oder Kratzen) bis hin zu intensiveren Praktiken wie dem Einsatz von Peitschen, Kerzenwachs oder Klammern. Es ist eine Form des Masochismus, die ohne den direkten Einfluss eines Partners ausgeführt wird.
Der Begriff Auto-Masochismus setzt sich aus dem griechischen autós („selbst“) und dem masochistischen Konzept zusammen, das auf Leopold von Sacher-Masoch zurückgeht. Bereits in frühen sexualwissenschaftlichen Texten des 20. Jahrhunderts wurde selbstbezogene Lustschmerz-Praxis beschrieben, allerdings meist pathologisiert.
Erst mit der Entwicklung moderner BDSM-Diskurse ab den 1970er- und 1980er-Jahren begann eine differenzierte Betrachtung. Innerhalb sexpositiver und konsensorientierter Communities wurde Auto-Masochismus zunehmend als legitime, selbstbestimmte Praxis verstanden, sofern er nicht aus Zwang oder Selbstabwertung entsteht.
Heute wird der Begriff vor allem innerhalb aufgeklärter BDSM-Kontexte verwendet, um eine bewusste, freiwillige und lustorientierte Handlung klar von selbstschädigendem Verhalten abzugrenzen.
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