EKELSPIELE

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DEFINITION

Ekelspiele im BDSM – oft unter dem englischen Begriff Disgust Play oder Gross-Out Play geführt – bezeichnen eine Gruppe von Praktiken, bei denen absichtlich Gefühle von Ekel, Abscheu, Scham, Unbehagen oder psychischer Überwältigung erzeugt werden. Die Intensität entsteht weniger durch Schmerz, sondern durch psychische Grenzerfahrung, Tabubrüche, körperliche Reaktionen und mentale Dominanz.

Alle Praktiken sind einvernehmlich, klar verhandelt, sicherheitsorientiert und bewegen sich strikt im gesetzlichen Rahmen.

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PRINZIPIEN

RACK (Risk Aware Consensual Kink) ist besonders wichtig, da viele Praktiken mit hohen gesundheitlichen und psychischen Risiken verbunden sind.

Konsens muss explizit, informiert und reflektiert erfolgen. Safewords sind obligatorisch.

Viele Beteiligte setzen auf das Prinzip der radikalen Ehrlichkeit vor, während und nach der Session.

PRICK

  • Dom trägt Verantwortung für emotionale Sicherheit

  • Sub trägt Verantwortung für Kommunikation & Safewords

RISC

Relevantes Konzept aufgrund:

  • psychischer Trigger

  • intensiver emotionaler Dynamiken

  • möglicher sexueller Komponenten

RISIKEN

Physische Risiken

  • Würgereiz

  • Atemprobleme bei falscher Anwendung

  • mögliche Kreislaufreaktionen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen

Psychologische Risiken (die wichtigsten!)

  • Trigger (z. B. Trauma, Scham)

  • Panikattacken

  • Subdrop

  • invasive Gedanken

  • langfristige Schamgefühle

  • Ekel kann sehr plötzlich und heftig wirken

Emotionale Risiken

  • Vertrauensbruch, wenn Grenzen überschritten werden

  • nachträgliche Überforderung

  • Gefühl von Entwürdigung (falls nicht konsensual)

Soziale Risiken

  • Missverständnisse im Umfeld

  • falsche Interpretation

  • Tabubehaftete Themen → nur in geschützten Räumen

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Psychologische Hilfsmittel

  • verbale Trigger

  • Rollenspiele

  • erniedrigende Aufgaben (konsensual)

  • thematische Requisiten (z. B. Reinigungsutensilien, alte Kleidung, schmutzige Aufgaben in sicherem Kontext)

Kleidung & Requisiten

  • Schmutzsimulation (ungiftig)

  • Kostüme (Maid, Diener, Petplay, Klinik, Dungeon, Gorean)

  • Haushaltsgegenstände (ungefährlich und sauber)

Sicherheitsausrüstung

  • Einweghandschuhe

  • Tücher & Desinfektion

  • Spuckschalen (für Rollenspiel)

  • Reinigungsmaterial

  • Schutzhüllen für Möbel

Für mentalen Ekel

  • Geruchsquellen ohne gesundheitlichen Schaden

  • Texturen (Schleim, Gel, künstliche Flüssigkeiten)

Nichts Gesundheitsgefährdendes, nichts Bakterielles, nichts Illegales.

AUSRÜSTUNG KAUFEN

ANWENDUNGS INFORMATION

Wichtige Hinweise zu diesem Thema

  • Ekelspiele gehören zu den intensivsten Formen psychologischen Spielens.

  • Sie erfordern höchste Vertrauensbasis.

  • Sie werden immer klar vertraglich / verbal abgesprochen.

  • Es gibt rote Linien, die niemals überschritten werden (Gesetze, Hygiene, Würde, Sicherheit).

  • Ekelspiele sind kein Muss im BDSM — sie sind selten und sehr speziell.

Eignung

  • Nur für sehr erfahrene Praktizierende, die sich intensiv mit den Risiken auseinandergesetzt haben

  • Häufig im Kontext von Total Power Exchange (TPE), Edge Play, CNC-Szenarien oder extremen Dominanzpraktiken

Vorbereitung

  • Ausführliche Verhandlung: Was ist gewünscht, was ist absolut tabu?

  • Genaue Definition von Safe Words, Handzeichen und Rückzugsmöglichkeiten

  • Bereitstellung von Reinigungsmaterial, Schutzkleidung, Frischluft etc.

Aftercare

  • Intensive psychische Begleitung und Verarbeitung, da Ekel emotional stark wirken kann

  • Körperpflege (Duschen, Desinfektion, Kleidung wechseln)

  • Gespräch über das Erlebte, ohne Scham oder Wertung

Sicherheitshinweise

  • Keine Praktiken mit infektiösem oder medizinisch riskantem Material ohne Fachwissen

  • Schutzmaßnahmen für Atemwege, Haut, Schleimhäute beachten

  • Kein Gruppendruck, niemand darf zu „Grenzerfahrungen“ überredet werden

Notwendige Sicherheitsmaßnahmen

  • klares Safeword
  • frühzeitige Kommunikation
  • regelmäßiges Abklopfen der Gefühle
  • sofortige Unterbrechung bei Unwohlsein
  • intensives Aftercare
  • Aufarbeitung nach der Session

1. Psychologische Ekelspiele

Eher mental als körperlich:

  • erniedrigende Rollenspiele

  • Befehle, die Ekel triggern, aber sauber bleiben

  • Aufgaben mit „unangenehmen“ Themen

  • verbale Szenarien

  • symbolische Rituale

  • Gorean-Dienste, die in „niedrige“ Bereiche gehen

2. Body-Related Disgust Play (legal & sicher)

  • Speichelspiele (Spit Play)

  • Schweiß

  • schmutzige Füße (Fußfetisch mit Ekelkomponente)

  • Konsensuelle Körpernähe in „unangenehmen“ Situationen

3. Fetischbezogener Ekel

  • Textur-Fetische (Schleim, Gel, feuchte Materialien)

  • Schmutzsimulation

4. Demütigungsorientiertes Disgust Play

  • bewusst schmutzige Aufgaben (Rollenspiel: „Maid“ reinigt etwas Unangenehmes – aber hygienisch harmlos)

  • Rollen wie Pet, Sklave, Diener

5. Emotionaler Ekel

Hier wird Ekel als psychisches Element genutzt:

  • Worte

  • Themen

  • symbolische Gesten

  • Aufgaben, die mental „niedrig“ wirken

6. Kombination mit D/s-Dynamiken

Perfekt in Verbindung mit:

  • Dominanz

  • Erniedrigung

  • Machtspielen

  • Zwangsrollen (konsensual)

  • Service Submission

  • Gorean Training

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • „BDSM – Erotik. Macht. Lust.“ — Matthias T. J. Grimme

  • „Spieltrieb – Lust & Macht“ — Nora Lenz

  • „Die Kunst der Dominanz“ — Lady Anya

  • „Fesseln, Führen, Spielen“ — Monika K. Gast

  • „Das SM-Handbuch“ — Phillip Miller & Molly Devon

  • „The Ultimate Guide to Kink“ — Tristan Taormino

  • „Playing Well With Others“ — Harrington & Williams

  • „The Seductive Art of Psychosexual Play“ — Lady Rane

 

URSPRUNG

Ekelspiele als psychologisches Konzept ist tief in der menschlichen Biologie und Kultur verankert.

In BDSM-Kontexten tauchten erste systematische Auseinandersetzungen mit Ekelspielen ab den 1990er Jahren auf, insbesondere in Nischen-Subkulturen und unter dem Begriff "hard limit pushing".

In queeren und postpornografischen Szenen wurde Ekel ebenfalls als Mittel zur Auflösung von Normen und zur Rebellion gegen Schönheits- oder Reinheitsideale genutzt.

Wie der Begriff in den BDSM-Kontext gelangte

Der Ausdruck wurde erst sehr spät in BDSM-Communities verwendet – vermutlich ab den 1990er–2000er Jahren – und zwar deshalb:

  • manche Praktiken lösen Ekelgefühle aus

  • es gibt Edge-Play-Varianten mit psychologischem Ekel

  • die deutschsprachige Szene brauchte einen Sammelbegriff für „Ekel-basierte Fetische“

Weil es im Englischen keinen einheitlichen BDSM-Fachbegriff dafür gab, wurde der deutsche Ausdruck einfach übernommen.

Typische internationale Begriffe sind:

  • Humiliation Play

  • Gross-out Fetish

  • Disgust Fetish

  • Edge Humiliation

Aber keiner dieser Begriffe meint exakt dasselbe wie das deutsche „Ekelspiele“.

Darum etablierte sich der Ausdruck speziell im deutschsprachigen BDSM.

VERWANDTE BEGRIFFE

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