EXHIBITIONISMUS

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DEFINITION

Exhibitionismus im BDSM beschreibt das einvernehmliche Zeigen des eigenen Körpers, bestimmter Körperteile oder erotischer Handlungen gegenüber einer oder mehreren Personen innerhalb eines klar vereinbarten, geschützten Rahmens. Es handelt sich NICHT um den strafbaren, nicht-einvernehmlichen Exhibitionismus, sondern um eine freiwillige, kontrollierte und abgesprochene Form der Selbstdarstellung im Macht- oder Lustkontext.

Exhibitionismus im BDSM ist ein psychisch und emotional geprägtes Rollenspiel, bei dem eine Person bewusst als „Ausgestellte“ oder „Zur-Schau-Gestellte“ agiert. Das Element der Offenlegung — körperlich oder symbolisch — erzeugt Gefühle wie Scham, Lust, Aufmerksamkeit, Kontrolle oder Unterwerfung. Anders als beim pathologischen oder strafbaren Exhibitionismus ist BDSM-Exhibitionismus immer völlig einvernehmlich, in privatem Umfeld, klar abgesprochen und streng geregelt.

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PRINZIPIEN

SSC – Safe, Sane, Consensual: Keine öffentliche Handlung, vollständige Sicherheit.

RACK – Risk Aware Consensual Kink: Bewusstsein über psychische und soziale Risiken.

Informierter Konsens: Zustimmung zum Zeigen einzelner Körperteile oder Szenen.

Metakonsens: Wenn Scham oder Demütigung Teil des Spiels sind.

Privatsphäre als Regel: Winkel, Gesicht, Identität — alles vorher klären.

Digitale Sicherheit: Passwortschutz, geschützte Ordner, keine Cloud-Freigaben.

Emotionale Verantwortung: Reaktionen ernst nehmen, Stabilität prüfen.

RISIKEN

Exhibitionismus im BDSM birgt vor allem psychische und soziale Risiken:

  • Emotionale Verletzbarkeit: Scham, Überforderung oder Verletzungen des Selbstwerts

  • Soziale Risiken: Veröffentlichung von Bildern, Kontrollverlust über Daten

  • Rechtliche Risiken: Öffentliches Zeigen sexueller Inhalte ist illegal

  • Langfristige Effekte: Negative Gefühle können nachwirken, wenn Grenzen überschritten wurden

  • Abhängigkeiten: Gefahr, sich „beweisen“ zu wollen oder Anerkennung zu erzwingen

Besonders wichtig:

  • Exhibitionismus darf niemals in der Öffentlichkeit stattfinden

  • Klare Zustimmung aller Beteiligten

  • Keine Speicherung oder Weitergabe von Bildern ohne explizite Freigabe

  • Einsatz von gesicherten Kommunikationskanälen

  • Sofortiger Abbruch bei Überforderung, Tränen, Scham-Crash

Da Exhibitionismus stark psychologisch wirkt, ist Aftercare verpflichtend, um emotionale Reaktionen zu stabilisieren.

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Exhibitionismus benötigt wenig physische Ausrüstung, eher Rahmenbedingungen:

Kleidung / Accessoires:

  • Halsband, besondere Outfits
  • Masken (für anonymisierte Darstellung)
  • Lingerie oder BDSM-bekleidung

 

Positionshilfen:

  • Kissen, Hocker, Stühle
  • Präsentationspositionen (z. B. knien, stehen, zeigen)

 

Digitale Hilfsmittel:

  • Kamera / Smartphone (nur im geschützten Kontext)
  • Passwortgeschützte Ordner
  • Secure Messenger (Signal, Threema)

 

Kommunikationsmaterial:

  • schriftliche Grenzen
  • Tabulisten
  • Einwilligungslisten

 

Aftercare-Hilfsmittel:

  • Decke, Wasser, ruhiger Raum

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ANWENDUNGS INFORMATION

Dauer/Intensität

  • Situativ: z. B. auf Partys oder im Rahmen kurzer Szenen

  • Wiederkehrend: z. B. tägliche Aufgaben (Anziehen ohne Unterwäsche, erotische Fotos versenden)

  • Intensitätsgrad: von leichtem Voyeurismus bis hin zu extremer Selbstdarstellung oder völliger Entblößung

Eignung

  • Geeignet für: Personen mit Lust an Sichtbarkeit, erotischer Provokation, Aufregung durch Entblößung

  • Nicht geeignet für: Menschen mit hohem Schamempfinden, Ängsten vor Bewertung oder Reizüberflutung

Vorbereitung

  • Klare Absprache: Wo, wie, wer darf sehen? Was darf gezeigt werden?

  • Sicherheitsrahmen definieren: Öffentlichkeit vermeiden, wenn keine Zustimmung Dritter gegeben ist

  • Emotionale Absicherung: Wie gehe ich mit Kritik, Spott oder Ablehnung um?

  • Technische Vorbereitung: Bei Online-Exhibitionismus auf Datenschutz achten

Aftercare

  • Emotionale Rückversicherung: Lob, Bestätigung, Aufarbeitung möglicher Reaktionen

  • Körperpflege: Besonders nach Kleidungsspielen oder Temperaturwechseln

  • Raum zum Reflektieren: War es erregend, belastend, ermächtigend?

Sicherheitshinweise

  • Nie ohne Konsens Dritter – insbesondere bei öffentlicher Sichtbarkeit

  • Rechtliche Rahmen kennen: Z. B. öffentliches Ärgernis, Jugendschutz, Fotoverbot

  • Verzicht auf Spontanaktionen im öffentlichen Raum, die andere involvieren könnten

  • Digitale Sicherheit: Keine identifizierbaren Bilder ohne Zustimmung verbreiten

Exhibitionismus kann im BDSM auf verschiedene Arten umgesetzt werden:

  • Geführtes Präsentieren: Sub zeigt sich auf Anweisung, in einer bestimmten Pose oder Kleidung.

  • Teilgezeigtheit: Fokus auf einzelne Körperteile oder Symbole (z. B. Halsband).

  • Rollenspiele: Vorführen, Inspizieren, Begutachten.

  • Online-Exhibitionismus: Austausch von Bildern/Videos innerhalb eines geschützten Rahmens, niemals öffentlich.

  • Rituelle Handlungen: Erscheinen, Präsentieren, Vorführen in der BDSM-Dynamik.

  • Statusbezogene Präsentation: Sub zeigt sich, um seine Rolle zu bestätigen.

Für eine sichere Anwendung wichtig:

  • Klare Absprache über was gezeigt werden darf

  • Klare Regeln, wem etwas gezeigt werden darf

  • Grenzen zu Privatsphäre, Gesicht, Tattoos, Identität

  • Emotionale Tagesverfassung berücksichtigen

  • Tabuwörter oder verbotene Situationen definieren

  • Im Zweifelsfall: lieber weniger zeigen, dafür sicher

LITERATUR

Empfohlene Literatur

  • The Ultimate Guide to Kink – Tristan Taormino (Kapitel zu Public Play)
  • Das SM-Handbuch - Matthias T. J. Grimme
  • Die Wahl der Qual – Passig & Strübel

URSPRUNG

Exhibitionistische Praktiken haben kulturelle und psychologische Wurzeln und wurden in vielen Kulturen rituell, erotisch oder machtbezogen eingesetzt (z. B. in Tempelkulten, Theaterformen, Nacktprotesten). Im BDSM-Kontext entwickelte sich exhibitionistisches Spiel in Clubs, auf Play-Partys oder in gezielt inszenierten öffentlichen Räumen.

Kurz gesagt: Der Ursprung

Lateinischer Ursprung:

„exhibere“ = zeigen

Erstes Auftreten als Begriff:

Ende 19. Jh. in der Psychiatrie (Krafft-Ebing)

Stark negativ besetzt:

nicht-einvernehmliches Zeigen → Straftat / Diagnose

Erotische Umdeutung:

Mitte 20. Jh. in Literatur und Fantasien

Moderne BDSM-Neuinterpretation (1990er+):

einvernehmliches erotisches Zurschaustellen, Teil von D/s, Voyeurismus, Rollenspiel

VERWANDTE BEGRIFFE

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