FANON PAIRINGS

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DEFINITION

Fanon Pairings sind Beziehungskonstellationen, Rollenverteilungen oder Dynamiken im BDSM, die nicht aus offiziellen Quellen oder realen Strukturen stammen, sondern durch Community-Fantasien, Online-Fankultur oder gemeinschaftliche Interpretation entstehen.

Der Begriff „Fanon“ stammt aus der Fankultur und bezeichnet Inhalte, die nicht offizieller Bestandteil eines Werkes oder einer Szene sind, sondern von der Community selbst erschaffen werden.

Im erotischen oder BDSM-bezogenen Fandom-Kontext können Fanon Pairings oft neue Dynamiken, Rollenverteilungen oder Kink-orientierte Szenarien beinhalten, z. B. Dominanz/Submission, Sadomasochismus, Age Play, Pet Play etc.

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PRINZIPIEN

SSC – Safe, Sane, Consensual

Fanon-Dynamiken dürfen nur umgesetzt werden, wenn alle Beteiligten bewusst zustimmen — frei von Gruppendruck oder idealisierten Rollenerwartungen.

RACK – Risk Aware Consensual Kink

Risiken liegen oft im emotionalen Bereich → alle müssen sich der psychischen Wirkung von Fantasien bewusst sein.

PRICK – Personal Responsibility Informed Consensual Kink

Jede Person muss Verantwortung dafür übernehmen, nicht in Rollen zu rutschen, die zu stark vom eigenen Wohlbefinden abweichen.

RISC – Risk-Informed, Supported Consent

Wichtig, wenn Fanon Pairings starke Emotionen oder Traumafantasien antriggern → unterstützter, informierter Consent erforderlich.

Themenspezifische Prinzipien

1. Prinzip der realistischen Integration

Fanon ist Inspiration, keine Anleitung für reale Dynamiken.

2. Prinzip der Identitätsklarheit

Eigene Wünsche > Fantasievorlagen aus dem Internet.

3. Prinzip der freiwilligen Rollenübernahme

Niemand muss eine Fanon-Rolle erfüllt oder darstellen.

4. Prinzip der emotionalen Ehrlichkeit

Beteiligte kommunizieren offen, was Fantasie ist – und was echte Grenzen sind.

5. Prinzip der Anpassbarkeit

Fanon Pairings dürfen verändert, verweichlicht oder komplett umgeschrieben werden, um gesund zu bleiben.

RISIKEN

Hauptgefahren

  • unrealistische Erwartungen an Rollenverhalten

  • Druck auf sub oder Top durch „vorgegebene Fantasierolle“

  • emotionaler Stress, wenn Realität nicht Fantasie entspricht

  • toxische Muster durch ungeprüfte Community-Ideale

  • Missachtung realer Grenzen, weil „das Pairing so ist“

Psychologische Risiken

  • Vergleich mit idealisierten D/s-Figuren

  • Verlust der eigenen Identität zugunsten einer Fantasierolle

  • Fixierung auf nicht erreichbare Dynamiken

Sicherheitsrichtlinien

  • Fantasie vs. Realität klar trennen

  • Grenzen und Wünsche individuell definieren

  • keine Fanon-Dynamik ohne Consent übernehmen

  • reale Bedürfnisse wichtiger als Fanon-Erwartungen

  • idealisierte Bilder aktiv hinterfragen

NOTWENDIGE AUSRÜSTUNG

Da Fanon Pairings sehr individuell und storybasiert sind, richten sich Tools nach dem jeweiligen Fantasieszenario.

1. Grundausrüstung

  • Fesseln (Seile, Manschetten)

  • Augenbinden

  • Positionierungshilfen

  • Symbolische Gegenstände (Krone, Halsband, Umhang etc.)

2. Szenenspezifische Requisiten

Beispiele:

  • Fanon „Ritter & Prinzessin“ → Rüstungsteile, Cape

  • Fanon „Lehrer & Schüler“ → Lineal, Schreibtisch

  • Fanon „Superheld & Sidekick“ → Masken, weiche Cosplay-Waffen

  • Fanon „Meister & Gefährte“ → Ritualgegenstände

3. Storytelling-Elemente

  • Musik

  • Lichtsetzung

  • Kostüme

  • kurze Skripte oder Dialogideen

4. Aftercare-Material

  • Decke

  • Wasser

  • ruhige Umgebung

  • Gesprächszeit (wichtig bei emotionalen Szenarien)

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ANWENDUNGS INFORMATION

Dauer/Intensität

  • Einmalige Geschichten (One Shots) bis zu mehrjährigen Serien oder Headcanons

  • Intensität variiert: von fluffigen Romanzen bis zu Darkfic mit expliziten BDSM-Elementen

Eignung

  • Geeignet für: Menschen mit kreativer Ader, Lust auf alternative Erzählungen, queerer Repräsentation oder erotischer Interpretation

  • Nicht geeignet für: Personen, die strenge Kanontreue bevorzugen oder Schwierigkeiten mit erfundenen Dynamiken haben

Vorbereitung

  • Recherche zur Figurendynamik und Fandom-Kontext

  • Konsensregeln der Plattform beachten (z. B. Tags, Inhaltswarnungen)

  • Kink Awareness bei erotischen Pairings (z. B. verantwortungsvoller Umgang mit Machtgefällen)

Aftercare (im Schreib-/Lesekontext)

  • Reflexion über Inhalte: Was war anregend? Was belastend?

  • Austausch mit der Community: Kommentare, Diskussionen, Fanarts

  • Emotionale Erdung bei Darkfic oder BDSM-Inhalten, z. B. durch klare Triggerwarnungen

Sicherheitshinweise

  • Deutliche Kennzeichnung nicht jugendfreier Inhalte (NSFW, M/E-Rating)

  • Keine Romantisierung realer Gewalt ohne Kontextualisierung

  • Kritischer Umgang mit problematischen Tropes (z. B. Übergriffigkeit, Zwang, ungesunde

Fanon Pairings können in BDSM sowohl positiv als auch negativ wirken.

Positive Nutzung

  • Inspiration für Rollenspiele

  • kreatives Fantasieren

  • Ideen für Dynamiken oder Storytelling

  • Grundlage für erotische Narrative

  • Identitätsfindung (z. B. sub entdeckt Fantasie durch Fanon-Darstellung)

Typische Einsatzbereiche

  • Online-Rollenspiele

  • D/s-Szenen mit Story-Anteil

  • Psycho-Drama-Sessions

  • Ritualspiel

  • kostümierte BDSM-Sessions

  • Fanfiction-inspirierte Szenarien (z. B. Superheld dominiert Sidekick)

Mögliche Fehlanwendungen

  • Verwechslung von Fantasie und Realität

  • Übernahme extremisierter Rollenbilder

  • ungesunde Idealisierung eines Partners

  • Druck, „perfekt submissiv“ oder „perfekt dominant“ sein zu müssen

LITERATUR

Empfohlene Literatur:

  • „Das SM-Handbuch“ – Jay Wiseman
  • „Die Qual der Wahl“ – Matthias Grimme
  • „BDSM: Das Spiel mit der Macht“ – Felicity Jones
  • „Lust & Schmerz“ – Nina Sade
  • „SM-Leitfaden“ – Jörg Wilke
  • „SM 101: A Realistic Introduction“ – Jay Wiseman
  • „The New Topping Book“ – Easton & Hardy
  • „The New Bottoming Book“ – Easton & Hardy

URSPRUNG

Fanon Pairings entstanden mit der frühen Fanfiction-Kultur, insbesondere im Science-Fiction- und Fantasy-Bereich der 1960er und 1970er Jahre (z. B. Star Trek). Schon damals begannen Fans, Figuren wie Kirk und Spock romantisch oder sexuell zu interpretieren, obwohl es im Original keine Hinweise darauf gab.

Mit dem Aufkommen digitaler Plattformen (z. B. Fanfiction.net, Archive of Our Own) wuchs die Fanon-Kultur rasant und brachte zahllose Pairings hervor, die mittlerweile teils bekannter sind als offizielle Beziehungen.

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