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Gor im BDSM bezeichnet ein Rollenspiel- und Dominanzkonzept, das von den „Chronicles of Gor“ des Autors John Norman inspiriert ist. Diese Bücher beschreiben eine Welt mit klaren Hierarchien, starker Betonung von Macht, Disziplin und ritualisierter Unterwerfung. Im BDSM-Kontext verstehen wir unter „Gorean Play“ oder „Gorean Lifestyle“ ein freiwilliges, verhandeltes und stark ritualisiertes Rollenspiel, das ästhetische, erotische und psychologische Aspekte kombiniert. Es ist kein politisches System, sondern eine Fantasiewelt, die zur Gestaltung intensiver D/s-Dynamiken genutzt wird.
Die Chronicles of Gor umfassen über 30 Romane, die eine fiktive Parallelwelt beschreiben, in der Macht, Ehre, Rollenverteilung und Eigentum zentrale kulturelle Elemente sind. Die Bücher sind äußerst umstritten, denn sie kombinieren Abenteuer, Philosophie und Erotik mit streng hierarchischer Rollenverteilung.
Im BDSM sind diese Inhalte NICHT als politische Ideologie zu verstehen, sondern bieten einen ästhetischen Rahmen, um rituelle Dominanz und Unterwerfung bewusst zu gestalten.
Starke, klare Hierarchien
Strikte Rollen (Freie = dominierend; Sklavinnen/Sklaven = unterwürfig)
Rituelle Sprache und Kommandos
Festgelegte Körperhaltungen
Zeremonien und symbolische Rituale
Macht als gelebte, strukturierte Lebensweise
Viele BDSM-Praktizierende nutzen diese Struktur, weil sie:
Ordnung, Klarheit und Ritual lieben
tiefe Submission erleben möchten
eine starke Dominanzrolle kultivieren wollen
die Ästhetik und Philosophie faszinierend finden
Rollen stabil halten möchten (dominant bleibt dominant, submissiv bleibt submissiv)
Gor bietet einen rahmenden Mythos, der D/s-Dynamiken vertieft, emotional auflädt und ritualisiert.
Sie ist das Sinnbild der erotischen Unterwerfung in der Gorean-Welt:
trägt Silks (leichte, erotische Stoffe)
folgt klar definierten Körperhaltungen
dient sexuell, emotional und praktisch
drückt Unterwerfung durch Ritualsprache aus
wird oft als „Eigentum“ bezeichnet (symbolisch!)
Typische Elemente:
Knien in Nadu (Grundhaltung)
„Bracelets“-Position für Fesselungen
„Tower“-Knieposition für zurückhaltendere Darstellungen
Ausführen von Haus- oder Lustdiensten
Auswendiglernen von Kommandos
Weniger bekannt, aber ebenso tiefgehend:
oft als kräftiger, arbeitsorientierter Sklave dargestellt
sowohl für Arbeit als auch für erotische Dienste eingesetzt
folgt männlich konnotierten Ritualen (Stolz, Stärke trotz Unterwerfung)
Die dominante Person, die:
Verantwortung trägt
Regeln festlegt
Rituale initiiert
Eigentums- und Schutzfunktion übernimmt
emotionale Führung ausübt
Menschen ohne Sklavenstatus, die im Spiel Ränge, Privilegien oder Autorität besitzen.
Gor bietet eine ritualisierte Struktur:
Positionsübungen, Kommandos, Eigentumsmarkierungen, persönliche Zeremonien.
Submissive erleben:
Demut
Hingabe
Fokus
Sicherheit durch klare Regeln
intensiven mentalen Flow
Dominante erleben:
Verantwortung
Führung
Kontrolle
spirituell-rituelle Dominanz
Kleidung, Sprache und Rituale erzeugen ein intensives Kopfkino, das weit über normales Roleplay hinausgeht.
Gor kann als:
Session-Rollenspiel
Wochenend-Ritual
oder sogar Teil eines 24/7-D/s-Lifestyles
gelebt werden.
Trotz der extremen Rollenbilder ist Gor immer konsensual.
Rituale müssen realistisch, sicher und mental gesund bleiben
Dominanz darf nie missbräuchlich werden
Durch die Intensität emotionaler Themen ist Aufklärung über Risiken notwendig:
emotionale Überwältigung
Dominanzmissverständnisse
Trigger durch hierarchische Sprache
Master/Mistress müssen verantwortungsvoll handeln
Submissive müssen ihre Grenzen kommunizieren
Besonders relevant bei sexualisierten Eigentums- oder Dienstritualen.
Sub kann sich zu stark identifizieren
Rollen können in Alltag überfließen
Dominante könnten versehentlich missbräuchlich wirken
Bondage → Nervenschäden möglich
Impact → Verletzungsrisiko
Positionen → Gelenkbelastung
Trigger alter Traumata
Missverständnisse über reale Gleichberechtigung
Außenstehende sehen Gor oft kritisch
Gefahr falscher Vorurteile
Kajira-Silks
Metall- oder Lederhalsband
Tuniken, Kriegerkleidung, Gewänder
Schmuck, der Rang signalisiert
Seile
Ruten, Stöcke, Peitschen
Fesseln
Dienerketten
Position Cards
Kommandolisten
Trinkrituale (Submission Bowl)
Eigentumsmarken (symbolisch!)
Zeremonielle Sitzkissen für die Sub
klare Räumlichkeiten
definierte Zonen („Kneel Zone“)
Speise- oder Dienstbereiche
Zentrale Positionen:
Nadu: erotisches Knien
Tower: defensives Knien
Bracelets: Handgelenke angeboten zur Fesselung
Lesha: auf der Seite liegend, Hände hinter dem Rücken
Diese Positionen strukturieren das Spiel und erzeugen unmittelbare Dominanz.
Nutzung von Titeln („Master“, „Mistress“)
rituelle Antworten
bestimmte Befehle aus den Romanen
Sklavendienste
Präsentation
rituelle Bewegung (Gehweisen, Darbietung)
Orgasmuskontrolle
Objektifizierung
Gor nutzt starke emotionale Trigger:
Besitz
Hingabe
Loyalität
Dienst
Wertschätzung durch Strenge
Einige Paare leben Teile davon dauerhaft:
Tagesstrukturen
Berichte
feste Rituale
Dienst- oder Lustaufgaben
strengere D/s-Dynamik
BDSM & Rollenwechsel — D. H. Warren
Fesseln, Führen, Spielen — Monika K. Gast
Spieltrieb – Lust & Macht im BDSM — Nora Lenz
Das SM-Handbuch — Miller & Devon
Die Kunst der Dominanz — Lady Anya
„Tarnsman of Gor“ (Band 1) — John Norman — ISBN 978-0879972305
„The Ultimate Guide to Kink“ — Tristan Taormino — ISBN 978-1573447798
„The Dominant’s Handbook“ — Robert J. Rubel — ISBN 978-1887895127
Kajira / Kajirus
Eigentumsdynamiken
Master/slave
Ritual Submission
Objektifizierung
24/7 D/s
Roleplay BDSM
Degradierung
Hierarchische Machtgefälle
Gorean Lifestyle
Der Begriff Gor stammt aus der Buchserie „Chronicles of Gor“ von John Norman (ab 1966).
Gor ist eine fiktive Welt mit:
strikten Rollenbildern
klaren Dominanz-/Unterwerfungsstrukturen
Sklavinnen („Kajirae“)
ritualisierten Machtverhältnissen
einem patriarchalen Ehrenkodex („Gorean Philosophy“)
Die Bücher sind Science-Fiction + Fantasy + Sexualpolitik, nicht BDSM.
Die Bücher enthalten:
Sklaven-/Sklavinnenrollen
Machtverhältnisse
rituelle Unterwerfung
körperliche Strafen
detaillierte erotische Beschreibungen
Das macht die Reihe für BDSM-Leser interessant, aber:
👉 Die Begriffe sind literarisch, nicht BDSM-historisch.
👉 Sie wurden nicht von BDSM erfunden.
👉 Die Romanwelt hat ihre eigene interne Logik.
Fans der Gor-Romane entwickelten eigene Communities:
„Gorean Lifestyler“
Rollenspiel-Gruppen
Onlinerollenspiele (IRC, später Second Life)
Live-Rollenspiel-Elemente
philosophische Gruppen (Gorean Philosophy)
Einige dieser Gruppen begannen, Gor-Elemente in BDSM zu integrieren, z. B.:
permanente D/s-Rollen
ritualisiertes Sklaventraining
Befehls- und Servicerituale
„Kajira“-Rollen
Gorean Positions (spezifische Körperhaltungen)
Damit entstand eine Überlappung, aber kein gemeinsamer Ursprung.
Durch:
Online-Communities der 1990er
BDSM-Foren
IRC Channels
frühe Rollenspielbereiche von FetLife
Second Life Gorean-Sims
Fanfiction
Ein Teil der BDSM-Szene übernahm die „Gorean Philosophy“ als Rollenspiel- oder Lifestyle-Element.
Aber:
👉 Die BDSM-Szene hat nie Gor erfunden.
👉 Gor ist eine literarische Parallelkultur, die teilweise in BDSM integriert wurde.
👉 Es ist kein klassischer BDSM-Begriff.
In der heutigen Szene gilt:
Gor ist eine literarische Fantasywelt.
BDSM ist eine reale, einvernehmliche Sexual- und Beziehungskultur.
Es gibt Überschneidungen in Rollenspielen, aber keinen gemeinsamen Ursprung.
Viele BDSM-Menschen lehnen Gor sogar ab, weil es:
nicht einvernehmlich dargestellt ist,
extrem patriarchal ist,
nicht die modernen Consent-Standards (SSC/RACK) erfüllt.
Darum wird Gor heute oft als „separate Subkultur“ betrachtet.
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