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Rimming bezeichnet die orale Stimulation des Analbereichs mittels Lippen, Mund und Zunge. Im BDSM kann Rimming eine Form von Intimität, Hingabe, Verehrung, erotischer Macht oder bewusster Tabuüberschreitung darstellen. Hygiene, Einvernehmlichkeit und Risikoaufklärung sind zentrale Grundlagen.
Rimming – auch als Anilingus bekannt – gehört zu den Praktiken, die im BDSM je nach Dynamik völlig unterschiedlich interpretiert werden können. Für einige Paare ist es ein Ausdruck tiefer körperlicher Intimität, für andere eine Form der devoten Dienstleistung, für wieder andere ein bewusstes Tabu- oder Erniedrigungselement. Der Grundcharakter der Praxis entsteht immer durch die Absprache und den Beziehungskontext der Beteiligten.
Der Analbereich gilt kulturell als stark schambesetzt, was die Wirkung von Rimming oft intensiviert. Die Handlung kann zärtlich, hingebungsvoll, verehrend oder roh und provokativ wirken. Gerade im BDSM spielt das Kopfkino eine große Rolle: Der Analbereich wird selten spontan berührt, weshalb jede Berührung dort – besonders mit dem Mund – als bewusst, intim und sehr bedeutungsgeladen empfunden wird.
In vielen D/s-Dynamiken steht Rimming für eine besondere Nähe. Wenn eine dominante Person den submissiven Partner rimmend verwöhnt, kann das als Fürsorge, Ritual oder Belohnung verstanden werden. Wird Rimming dagegen vom Sub ausgeführt, wird es oft als Dienstleistung, Erniedrigung, Devotion oder Body Worship wahrgenommen. Manche Menschen erleben Rimming als intensives Spiel mit Grenzen, weil es den Bereich körperlicher Tabus direkt anspricht.
Gleichzeitig ist es eine Praxis, die aufgrund der Hygiene- und Gesundheitsaspekte bewusster Vorbereitung bedarf. Auch das „Pre-Play“ – etwa Reinigen, Rasieren, Pflegen oder Positionieren – kann selbst ein Bestandteil der BDSM-Dynamik sein. In manchen Beziehungen übernimmt der Sub diese Vorbereitung als Dienst oder Ritual, in anderen ist es eine gemeinsame, intime Handlung, die dem Gefühl von Sicherheit dient.
Psychologisch kann Rimming Schamgefühle, Lust, Tabu, Intimität und Macht gleichzeitig aktivieren. Diese Mehrschichtigkeit macht es zu einem sehr vielseitigen Werkzeug im BDSM. Wichtig ist, dass alle beteiligten Personen wissen, welche Bedeutung die Handlung in ihrer Szene haben soll: Nähe? Kontrolle? Verehrung? Tabubruch? Ohne diese Klarheit kann Rimming leicht in Missverständnisse führen.
Auch die körperliche Wirkung ist für viele besonders intensiv, da der Analbereich stark nervenreich ist. Die Verbindung aus Wärme, Zunge, Druck und Berührung kann sowohl lustvoll als auch beruhigend sein. Für manche Menschen ist Rimming ein sicherer Weg, sich an Analpraktiken heranzutasten, bevor Penetration eine Option wird.
Auf emotionaler Ebene kann Rimming ein stark verbindendes Erlebnis sein. Da es ein Höchstmaß an Vertrauen erfordert, berichten viele Paare, dass es ihre Bindung vertieft und ihnen erlaubt, Kommunikation, Grenzarbeit und Zärtlichkeit auf neue Weise zu erleben. Andere nutzen es bewusst als Tabuspiel, um Dominanz oder Kontrollmotive zu verstärken.
Wie bei allen intimen und risikohaften Praktiken gilt: Einvernehmlichkeit, Kommunikation und Hygiene sind die Voraussetzungen dafür, dass Rimming positiv erlebt wird und langfristig ohne negative körperliche oder psychische Auswirkungen bleibt.
Grundprinzipien
Klare Einwilligung
Transparente Rollenabsprache
Bewusste Hygiene
Schutz der körperlichen und emotionalen Integrität
Nachsorge (insbesondere bei Tabu- oder Erniedrigungskontexten)
SSC – Safe, Sane, Consensual
Rimming muss sicher, informiert und einvernehmlich sein. Hygiene zählt hier zu den wichtigsten Sicherheitsfaktoren.
RACK – Risk Aware Consensual Kink
Beide Parteien kennen die biologischen Risiken, treffen Vorsichtsmaßnahmen und wählen bewusst eine risikobewusste Variante.
PRICK – Personal Responsibility, Informed, Consensual Kink
Jede beteiligte Person übernimmt Verantwortung für Körpergesundheit, Hygiene und ihre persönlichen Grenzen.
Rimming birgt aufgrund des direkten Kontakts mit der Analregion besondere hygienische Risiken.
Mögliche Risiken
Magen-Darm-Erreger (fäkal-orale Übertragung)
Hepatitis A (bei fehlendem Impfschutz)
Bakterielle Infektionen der Mund- oder Analregion
Kleine Verletzungen der Schleimhaut bei unachtsamer Berührung
Empfehlungen zur Risikominimierung
Gründliche Reinigung des Analbereichs
Keine Nutzung bei offenen Wunden, Entzündungen oder frischen Rasuren
Dental Dams nutzen, wenn Risiko besonders reduziert werden soll
Kein Wechsel zwischen Anal- und Vaginalbereich ohne Reinigung / Wechsel von Schutzmitteln
Ruhe und Aftercare einplanen, da Schamgefühle manchmal nachwirken können
Sanfte Reinigungsprodukte, lauwarmes Wasser
Handtücher oder Schutzunterlagen
Optional: Dental Dams (Latex- oder Polyurethan-Schutzfolien)
Eventuell medizinische Handschuhe (bei zusätzlicher Analstimulation)
Gleitgel (wasserbasiert oder silikonbasiert)
Positionierungshilfen wie Kissen oder Keile
Optional: Fesseln oder Bondage-Elemente zur Einbindung in D/s-Rituale
Der Analbereich sollte sanft und gründlich gereinigt werden; starke Seifen vermeiden.
Der empfangende Partner sollte eine bequeme, gut zugängliche Position einnehmen (z. B. auf dem Rücken mit angezogenen Beinen, Vierfüßlerstand, über ein Möbelstück gebeugt).
Kommunikation darüber, ob die Handlung liebevoll, devot, dominant oder tabuorientiert gestaltet wird.
Beginnen mit äußerer Stimulation: sanftes Anlecken, leichte Berührungen, langsame Annäherung.
Die Zunge kann kreisend, druckvoll oder flach eingesetzt werden, je nach Reaktion des Partners.
Lippen und Zunge sollten nicht zu fest drücken, um Irritationen zu vermeiden.
Atmung, Geräusche und Blickkontakt können bewusst in die Dynamik eingebunden werden.
Bei erniedrigenden Kontexten ist klare psychologische Absprache unerlässlich.
Nach der Handlung Mund und Gesicht gründlich reinigen.
Falls weitere Praktiken folgen, unbedingt Schutzmaßnahmen beachten, bevor andere Körperregionen stimuliert werden.
Emotionale Nachsorge einplanen, falls die Szene schambesetzte Elemente enthielt.
Empfohlene Literatur
Aidshilfe Deutschland – Safer Sex & Hygiene
Schattenzeilen.de – Erfahrungsberichte
Liebesleben.de – Medizinische Grundlagen zu Analpraktiken
Scarleteen – Anal & Rimming Basics
Kinkly – Rimming Guide
The Pleasure Mechanics – Anal & Oral Intimacy
Der Ursprung des Begriffs „Rimming“ im BDSM (und allgemein im sexuellen Kontext) liegt nicht im BDSM selbst, sondern in der englischen Umgangssprache für sexuelle Praktiken.
Sprachlicher Ursprung
„Rim“ bedeutet im Englischen Rand, Saum oder Umkreis
„to rim“ heißt wörtlich: etwas am Rand entlang berühren oder umrunden
„Rimming“ beschreibt somit bildlich das Umkreisen des Anus mit Mund oder Zunge
Der Begriff ist eine metaphorische Umschreibung und wurde gewählt, um eine indirekte, weniger medizinische Bezeichnung für Anilingus zu schaffen.
Historische Entwicklung
Erste belegte Verwendungen tauchen ab den 1960er–1970er Jahren in der englischsprachigen Sex- und Subkultur auf
Besonders verbreitet wurde der Begriff:
in der Schwulen-Community
in sexpositiven Bewegungen
später in BDSM- und Fetischkreisen
Einzug in den BDSM-Kontext
Im BDSM wurde „Rimming“ übernommen und kontextualisiert, nicht neu erfunden. Dort bekam der Begriff zusätzliche Bedeutungen:
Ausdruck von Hingabe, Demut oder Service
Teil von Macht- und Rollendynamiken (z. B. Service-Submission)
Ritualisierte Handlung innerhalb von D/s- oder TPE-Beziehungen
Wichtig: Der Begriff selbst ist neutral – seine Bedeutung im BDSM entsteht erst durch den jeweiligen Macht-, Rollen- oder Symbolkontext.
Abgrenzung zu medizinischen Begriffen
Anilingus → medizinisch/klinisch
Rimming → umgangssprachlich, kulturell geprägt, szenenah
Kurz zusammengefasst
Der Begriff „Rimming“ stammt aus der englischen Umgangssprache, bezeichnet bildlich das Umkreisen des Anus und wurde später von BDSM- und Fetischkulturen übernommen und mit symbolischer Bedeutung aufgeladen – nicht umgekehrt.
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