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Slave (dt. Sklave) oder eine Sklavin im BDSM ist eine Person, die sich freiwillig und einvernehmlich in eine dauerhaft oder temporär stark submissive Rolle begibt und einer dominanten Partnerperson weitreichende Entscheidungs- und Kontrollbefugnisse überträgt. Diese Rolle ist konsensual, verhandelt und kann von alltäglichen Diensten bis hin zu tiefgehenden 24/7-Dynamiken reichen.
Wichtig: Diese Rolle ist rein konsensuell und symbolisch zu verstehen – sie hat nichts mit realer oder historischer Sklaverei zu tun und basiert nicht auf Zwang oder Rechtlosigkeit, sondern auf Vertrauen, Kontrolle und gegenseitigem Einverständnis.
Einvernehmlichkeit & Freiwilligkeit
Der zentrale Punkt: BDSM-Sklaverei entsteht freiwillig. Jede Fixierung, jeder Dienst und jede Regel basiert auf Konsens.
SSC – Safe, Sane, Consensual
Sklaverei darf niemals selbstschädigend oder unvernünftig werden.
Der Dominante agiert trotz Machtrolle verantwortungsvoll.
RACK – Risk Aware Consensual Kink
Machtgefälle erhöht emotionale Risiken → beide müssen die Folgen verstehen.
PRICK – Personal Responsibility Informed Consensual Kink
Jeder trägt Verantwortung für seine Rolle, Grenzen, Bedürfnisse.
Der Sklave darf niemals verpflichtet werden, etwas gegen seinen Willen zu tun.
RISC – Risk Informed Sexual Consent
Besonders bei sexueller Verfügbarkeit, Fluid Bonding, häufigen Sessions.
Transparenz & Kommunikation
Regeln, Wünsche, Grenzen müssen klar ausgesprochen, verstanden und akzeptiert werden.
Aftercare & Prävention
Auch in härteren oder strengen Machtgefällen braucht es Fürsorge und Nachsorge.
Emotionale Risiken
Abhängigkeit
Verlust von Selbstwert, wenn die Rolle falsch geführt wird
Überforderung durch zu strenge Regeln
Fehlende Aftercare
Physische Risiken
Verletzungen durch Bondage oder Disziplinwerkzeuge
Erschöpfung bei Dienstleistung
STI-Risiken bei sexueller Nutzung
Soziale Risiken
Missverständnisse im Umfeld
Rufschädigung
Konflikte in bestehenden Beziehungen
Wichtig
BDSM-Sklaverei endet sofort, wenn ein Safeword fällt oder der Konsens bricht.
Nicht zwingend nötig, aber oft verwendet:
Collar / Halsband (symbolisch oder funktional)
Fesseln (Leder, Seil, Manschetten)
Positionierungshilfen (Kneeling Pad, Bondage-Möbel)
Safer-Sex-Utensilien: Kondome, Handschuhe, Desinfektion
Ritualgegenstände: Glocke, Kette, Signalwerkzeuge
Notizbuch oder digitale Tools für Regeln, Aufgaben, Fortschritt
Spielzeuge: Dildos, Vibratoren, Plug-Training
Disziplinwerkzeuge: Paddel, Peitschen, Crop – nur wenn verhandelt
Alltagsutensilien für Dienstleistung: Schürzen, Reinigungsmaterial
Typische Merkmale
Regelunterwerfung, festgelegte Tagesstruktur, Dienen
Körperliche und symbolische Rituale (Knieposition, Sprache, Kleidung)
Kann 24/7, temporär oder in Szenenform gelebt werden
Hohes Maß an Disziplin, Kontrollübergabe und Vertrauen
Eignung
Geeignet für: Menschen mit starker submissiver Ausrichtung, Bedürfnis nach Struktur, Gehorsam, Hingabe
Nicht geeignet für: Personen mit unklaren Grenzen, starker psychischer Belastung oder ohne stabile Vertrauensbasis
Vorbereitung
Ausführliche Vorgespräche (Wünsche, Grenzen, Tabus)
Vertragsmodelle oder mündliche Vereinbarungen (optional)
Klärung von Spielregeln, Dauer, Symbolen (z. B. Halsband)
Eventuell: Zeremonielle Übergabe (z. B. „Collaring Ceremony“)
Aftercare
Auch für Sklaven wichtig, besonders nach:
Disziplinierungen
intensiven emotionalen Szenen
langfristiger psychischer Belastung
Emotionale Stabilisierung, Nähe, Sicherheit, verbales Feedback
Sicherheitshinweise
Freiwilligkeit jederzeit hinterfragbar und widerrufbar
Safewords und Rückzugsmöglichkeiten müssen respektiert werden
Keine Vermischung mit realer Abhängigkeit oder erzwungener Kontrolle
Verantwortung liegt auch bei dominanter Person: Ethik, Achtsamkeit, Fürsorge
Regelwerke
Sklaven leben häufig nach definierten Regeln:
Anredeformen
Körperhaltung
Aufgabenlisten
Verbote und Erlaubnisse
Kleidungsrichtlinien
Rituale
Tägliche Rituale schaffen Bindung:
Begrüßungsrituale
Knien
Kuss auf die Hand oder den Schuh
morgendliche oder abendliche Berichte
Dienstleistung (Service Submission)
Kochen, Putzen, Massage
Organisieren, Planen, Strukturieren
Sexuelle Aufgaben
Edging
Positionstraining
Lust- oder Orgasmuskontrolle
Kontrolle im Alltag
Kleidungsfreigaben
Tagesberichte
Foto-Updates
Zeiteinteilung (wenn verhandelt)
24/7-Dynamik
Die intensivste Form — erfordert Erfahrung, Reife, Verantwortung und Stabilität.
Empfohlene Literatur:
„BDSM: Eine Einführung“ — Matthias T. J. Grimme
„Das SM-Handbuch“ — Phillip Miller & Molly Devon
„Die Kunst der Dominanz“ — Lady Anya
„Spieltrieb – Lust & Macht im BDSM“ — Nora Lenz
„Handbuch der D/s-Beziehung“ — J. M. Lehn
„The Mastery Series: The Dominant’s Handbook“ — Robert J. Rubel
„Real Service“ — Raven Kaldera & Joshua Tenpenny
Entstanden in der US-Leder- und BDSM-Community ab den 1970er-Jahren
Geprägt durch Master/slave-Strukturen in Szenekreisen wie The Eulenspiegel Society, Society of Janus
Begriff wurde bewusst als symbolische Selbstbezeichnung gewählt, um tiefgehende D/s-Bindung zu kennzeichnen
Ursprung außerhalb von BDSM
Begriff über 1000 Jahre alt
Herkunft: lateinisch sclavus = „Slaw*e“
Historische Bedeutung:
reale Sklaverei
Eigentum, Fremdbestimmung, Freiheitsentzug
Keine erotische Konnotation
Erotisierung in Literatur & Kunst (18.–19. Jh.)
Begriff erscheint in:
orientalistischen Fantasien („Haremssklavin“)
erotischer Literatur, Opern, Novellen
Beispiel: Sacher-Masoch – submissive Figuren als „Sklaven“
Erste fiktionale Erotisierung des Begriffs, nicht BDSM-bezogen
Frühe SM-Kultur (1950er–1970er)
Begriff „Slave“ wird Rollentitel in der entstehenden SM-Szene
Besonders verbreitet in der US-Gay-Leather-Community
Bedeutet:
konsensuelle Unterwerfung
Machtfantasien & Rollenspiele, nicht reale Sklaverei
rituelle, freiwillige Dynamik
Moderne BDSM-Begriffsbildung (1980er–1990er)
Mit Konzepten wie SSC & RACK wird „Sklave“ neu definiert:
freiwillige, bewusste Unterordnung
oft mit Symbolen (Collar) und verbalen/vertraglichen Absprachen
24/7-Modelle, Ritualisierung, Dienstprinzipien
Trennung von historischer Bedeutung
Verbreitung im deutschsprachigen Raum (ab 1990er)
Englischer Begriff „Slave“ wird zu „Sklave/Sklavin“
Verbreitet durch:
Foren, Szenegruppen, Literatur
Gängige Bezeichnung für:
tief submissive Rollen, TPE, Dienstbeziehungen
Begriff vollständig in die BDSM-Fachsprache integriert
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