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Spitting im BDSM bezeichnet das absichtliche Bespucken einer Person oder eines Körperteils im Rahmen eines einvernehmlichen Spiels. Es kann Ausdruck von Macht, Dominanz, Erniedrigung, Tabuüberschreitung oder intensiver Nähe und Besitzdynamik sein. Die Bedeutung ergibt sich aus der vereinbarten Rolle und dem Kontext.
Spitting ist eine der emotional und symbolisch stärksten Praktiken im BDSM. Obwohl körperlich oft minimal, ist die psychologische Wirkung immens, weil Speichel kulturell und sozial stark mit Intimität, Scham, Tabu und persönlicher Grenze verbunden ist. Im Alltag gilt Anspucken als respektlos, aggressiv oder unhöflich. Im BDSM dagegen kann es — richtig abgesprochen — ein hochwirksames Machtinstrument sein oder als Bestandteil intensiver Tabu- und Machtspiele genutzt werden.
Spitting gehört zu den Praktiken, die situativ extrem unterschiedlich erlebt werden. Für manche ist es eine Form von Devotion, in der der submissive Part symbolisch „annimmt“, was der dominante Part gibt. Für andere ist es Teil von Humiliation Play, bei dem die temporäre Erniedrigung bewusst und kontrolliert inszeniert wird. Manche empfinden Spitting jedoch als intim, besitzanzeigend und sogar erotisch verbindend — fast wie ein Markierungs- oder Claiming-Ritual.
Die Art, wie Spitting eingesetzt wird, beeinflusst die emotionale Wirkung stark. Ein sanftes Platzieren eines kleinen Speicheltropfens auf die Lippen oder Brust kann als intime Handlung wahrgenommen werden, während das zielgerichtete Bespucken des Gesichts als deutliche Machtdemonstration gilt. Auch die Begleitung durch Stimme, Blickkontakt oder Befehle intensiviert den psychologischen Effekt.
Spitting lebt von Rollenverständnis. Dominante Personen nutzen es oft, um Dominanz zu unterstreichen, Grenzen klar zu ziehen oder Tabus zu brechen. Submissive Personen können es als Hingabe, Provokation, Demut oder aktive Zustimmung erleben — abhängig davon, wer die Aktion initiiert und in welchem Kontext.
Wichtig ist, dass Spitting emotional sehr stark wirken kann. Menschen, die in der Vergangenheit negative Erlebnisse mit Gewalt, Mobbing oder Demütigung hatten, können unerwartet intensiv darauf reagieren. Deshalb gehört Spitting zu den Praktiken, die niemals überraschend ausgeführt werden sollten, sondern immer vorher klar besprochen werden müssen.
Hygiene ist ebenfalls relevant. Speichel kann Bakterien übertragen, weshalb Spitting idealerweise nicht auf offene Wunden oder entzündete Hautstellen erfolgt. Für gesunde Erwachsene ist das Risiko gering, aber dennoch real genug, um bewusst berücksichtigt zu werden.
Ob als Dominanzsignal, als Tabuerlebnis, als Dienst, als Provokation oder als sinnliche Komponente: Spitting ist eine minimalistische, aber symbolisch starke BDSM-Praktik, die ihre Wirkung aus Rollenverständnis, Vertrauen, emotionaler Sicherheit und psychologischer Dynamik bezieht.
Einvernehmlichkeit & klare Vorabkommunikation
Bewusstsein für Tabu- und Schamaspekte
Hygienische Verantwortung
Respektierung emotionaler Grenzen
Sensible Aftercare bei emotional herausfordernden Szenen
SSC – Safe, Sane, Consensual
Spitting darf nur in stabilem Rahmen, klar abgesprochen und verantwortungsvoll erfolgen.
RACK – Risk Aware Consensual Kink
Beide wissen, dass Speichel biologische Risiken birgt, und stimmen explizit zu.
PRICK – Personal Responsibility, Informed, Consensual Kink
Jede Person sorgt für eigene Gesundheit und reflektiert ihre psychologischen Grenzen.
Biologische Risiken
Bakterielle Übertragung (gering, aber relevant)
Risiko bei offenen Wunden oder Schleimhautkontakt
Übertragbare Infektionen bei unklarer gesundheitlicher Situation
Psychische Risiken
Ungeplante Schamreaktionen
Trigger durch frühere negative Erlebnisse
Verlustgefühl oder Befremdung bei mangelnder Aftercare
Risikominimierung
Klare Vorababsprache
Kein Spitting ins Auge oder auf Wunden
Aftercare fest einplanen
Bei Krankheitsanzeichen Spitting vermeiden
Spitting benötigt grundsätzlich keine Ausrüstung, doch unterstützende Elemente können Teil der Szene sein:
Tücher oder Unterlagen für anschließendes Reinigen
Bondage-Elemente zur Positionskontrolle
Mundpflegemittel für vorherige Neutralisierung von Geschmack
Optionale Positionierungshilfen (z. B. Kissen, Hocker, Bettkante)
Vorbereitung
Art und Intensität des Spitting vorher detailliert klären (z. B. Gesicht, Körper, Boden, symbolische Abgabe).
Psychische Stabilität und Trigger absprechen, da Spitting schnell emotional extrem wird.
Positionierung festlegen: kniend, stehend, fixiert oder frei.
Durchführung
Dominante Person bestimmt Ort, Moment und Intensität.
Die Handlung kann begleitet werden durch
Blickkontakt
Stimme / Befehle
körperliche Nähe oder Distanz
Der Speichel sollte nicht auf offene Wunden oder gereizte Haut gelangen.
Der dominante Part entscheidet oft ritualisiert darüber, ob der Sub den Speichel annehmen, ignorieren oder abwischen darf — je nach Dynamik.
Nachbereitung
Körperbereich reinigen oder sich gemeinsam darum kümmern.
Psychische Reaktionen abholen, da Scham, Stolz, Erregung oder Verunsicherung auftreten können.
Klare Bestätigung geben, dass es sich um eine abgesprochene, sichere Spielsituation handelte.
Empfohlene Literatur
Jana Klinger: Lust & Last – BDSM in der Praxis
Nina Schneider: Konsens & Kink
Heike M. Pelzer: Psychodynamiken im BDSM
Easton, Dossie & Hardy, Janet: The New Topping Book.
Wiseman, Jay: SM 101 – A Realistic Introduction.
Der Begriff „Spitting“ stammt nicht aus der BDSM-Fachsprache selbst, sondern aus dem englischen Alltagswortschatz. Seine Bedeutung im BDSM entwickelte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren, als Tabu- und Humiliation-Praktiken stärker klassifiziert wurden. In frühen Bondage- und Leather-Communities wurde Spitting sowohl als Dominanzsymbol als auch als Provokationselement genutzt.
Mit der Digitalisierung und dem Aufkommen internationaler BDSM-Foren verbreitete sich der Begriff weltweit. Auf Plattformen wie FetLife, Usenet-Gruppen und später Discord wurde „Spitting“ als eigener Begriff in den Kategorien „Humiliation Play“, „Power Dynamics“ und „Tabu-Praktiken“ anerkannt. Es existiert bis heute ohne formelle Definition, wird jedoch international eindeutig als bewusst einvernehmliches Tabu- oder Dominanzspiel verstanden.
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