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Unter Windelspiele versteht man im BDSM-Kontext Rollenspiele, in denen Windeln bewusst als erotisches, psychologisches oder disziplinarisches Element eingesetzt werden. Dabei kann es um Regression (Zurückversetzen in eine kindliche Rolle), Erniedrigung, Kontrolle oder ein spezielles Fetischinteresse gehen. Windelspiele werden häufig der Subkategorie Ageplay zugeordnet, überschneiden sich aber auch mit Bereichen wie Fetischismus, Erziehungsspielen und Zwangsszenarien.
Windelspiele können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein:
Regression & Ageplay: Sub nimmt die Rolle eines „Babys“ oder „Kleinkindes“ ein, während Dom als „Elternteil“ oder „Betreuer“ agiert.
Kontrollspiele: Dom entscheidet, wann Sub die Windel tragen oder benutzen darf/muss.
Erniedrigung: Tragen einer Windel in unpassenden Kontexten (z. B. unter normaler Kleidung, in der Öffentlichkeit – Achtung: Tabu- und Rechtsrisiko!).
Pflege- und Fürsorgeelemente: Windelwechsel, Fläschchen, Zubettbringen – oft kombiniert mit Zärtlichkeit oder strengen Regeln.
Windelspiele können fürsorglich und liebevoll oder streng und erniedrigend inszeniert sein – je nach Dynamik des Paares.
Für Sub: Gefühl der Geborgenheit, Loslassen von Verantwortung, Regression in eine kindliche Rolle; oder gezielte Erniedrigung durch das Tragen von Windeln.
Für Dom: Übernahme einer stark kontrollierenden, fürsorglichen oder autoritären Rolle.
Ambivalenz: Kann zugleich schamhaft und lustvoll sein – gerade die Überwindung von Tabus erzeugt für viele den Reiz.
Hautreizungen oder Infektionen durch langes Tragen oder mangelnde Hygiene
Allergische Reaktionen auf Materialien (z. B. Latexbestandteile, Lotionen)
Risiko von Harnwegsinfekten bei falscher oder zu langer Nutzung
Intensive Schamgefühle oder Identitätskonflikte, wenn die Rolle nicht klar als Spiel verstanden wird
Triggergefahr bei Personen mit sensibler Vergangenheit (z. B. Erziehungstraumata)
Gefahr von Abhängigkeit, wenn Windelspiele zur einzigen Quelle sexueller Erregung werden
Bloßstellung bei unachtsamem Umgang mit Fotos, Videos oder Szenen in der Öffentlichkeit
Gesellschaftliche Stigmatisierung, da Windelspiele stark tabuisiert sind
Windeln: Einweg- oder Stoffwindeln in Erwachsenen-Größen
Pflegeartikel: Puder, Feuchttücher, Cremes, ggf. Schutzhosen
Rollenspielzubehör: Babyflaschen, Schnuller, Kinderkleidung (Strampler, Overalls)
Möbel: Wickeltische, Kinderbetten (in Erwachsenen-Größe teils in Spezialshops erhältlich)
Windelspiele sollten klar von realer Kinder- und Jugendsituation abgegrenzt sein – sie beziehen sich ausschließlich auf Erwachsene im Rollenspiel.
Hygiene ist von zentraler Bedeutung, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
Safewords und klare Absprachen sind unverzichtbar.
Szenen sollten nachbesprochen werden, um Scham oder Unsicherheit zu reduzieren.
Ein Dom ordnet an, dass sein Sub den ganzen Abend eine Windel tragen muss. Bei jedem Protest folgt eine kleine Zusatzstrafe.
Im Ageplay-Rollenspiel übernimmt die Domina die Rolle einer strengen „Mutter“. Sie entscheidet, wann die Windel gewechselt wird und ob Sub Babyflasche oder Brei bekommt.
Ein Sub trägt heimlich Windeln unter normaler Kleidung im Alltag, weil der Dom dies angeordnet hat. Der psychologische Kick entsteht durch das Tabu und die ständige Erinnerung an die Kontrolle.
Windelspiele sind eine Nischenpraktik innerhalb des BDSM, die vor allem im Bereich von Ageplay und Fetischismus angesiedelt ist. Sie verbinden Kontrolle, Fürsorge, Regression und Tabubruch. Für manche sind sie Ausdruck von Geborgenheit, für andere von Erniedrigung. Entscheidend sind Hygiene, klare Absprachen und gegenseitiger Respekt.
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Der Ursprung von Windelspielen liegt im Bereich der Paraphilien und Fetischpraktiken. Bereits in den 1970er-Jahren tauchten in der internationalen Fetischszene sogenannte Adult Baby / Diaper Lover (ABDL)-Gruppen auf, die Windeln und Baby-Rollenspiele als Teil ihrer sexuellen Identität auslebten. In die BDSM-Kultur integriert wurden Windelspiele vor allem in den 1990er-Jahren durch die Überschneidung mit Ageplay und Erziehungsszenarien.
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